Stephen King – The last stand

 

nevada signage

Photo by Stephan Mu00fcller on Pexels.com

 

Liebe Leserinnen und Leser,

es ist noch ganz frisch, mein letztes Abenteuer mit Stephen King. Dank Marcs Rezension (Teil 1 und Teil 2) von „Das letzte Gefecht“ (Original: The last stand) habe ich mich vor etwas über 4 Wochen an Kings wohl umfangreichstes Einzelwerk gewagt. In meiner Kindle-Version waren es immerhin 1326 Seiten. Wie schon vorher beim Dunklen Turm hatte ich auch hier Respekt vor der Länge des Buches, aber auch vor dem Thema. Seit ich 14 Jahre alt bin, verschlinge ich Stephen Kings Bücher, früher auf Deutsch, heute in der Originalversion. Aber „Das letzte Gefecht“ habe ich aus mir unerfindlichen Gründen stets umschifft. Nun war es aber soweit und ich muss sagen, dass ich eine spannende, aufregende sowie beeindruckende Reise hinter mir habe.

Kurz zur Geschichte: ein Virus, der eine Art Supergrippe auslöst, ist aus einem Labor entkommen und rafft einen Großteil der amerikanischen Bevölkerung dahin. Auch die meisten Haustiere sind von der Captain Trips genannten Seuche betroffen. Doch einige Tausend Menschen haben überlebt und alle haben dieselben Träume. Der eine handelt von einer uralten Frau, Mutter Abagail, die das Gute symbolisiert, der andere vom Dunklen Mann, ein Dämon oder kurz gesagt der Teufel. Während sich die einen zu Mutter Abagail aufmachen, um mit ihrer Hilfe eine neue Gesellschaft aufzubauen, zieht es andere nach Las Vegas, wo der Dunkle Mann sein Unwesen treibt.

Ja, Stephen King schreibt ausführlich und was andere als Gefasel und langweilig empfinden mögen, hat mir besonders in diesem Roman richtig Spaß gemacht. Ich habe mit den Personen mitgefiebert und mitgelitten, aber auch gelacht. Sie sind mir alle ans Herz gewachsen: Fran, Stu, Glen, Ralph, Larry, Tom, Nick und natürlich auch Hund Kojak. Selbst mit dem „bösen“ Harold und Nadine hatte ich am Ende Mitleid. Sie waren schließlich alle nur Marionetten des Dunklen Mannes. Nur der „Trashcan Man“, der hat mir durchweg Angst gemacht – ein echt durchgeknallter Typ.

Am Anfang des Romans geht es gleich knallhart los: das Virus entweicht, viele Menschen sterben schlagartig, einige wenige überleben. Und die müssen erst mal schauen, wer von den anderen Überlebenden jetzt Freund oder Feind ist. Denn obwohl genügend Ressourcen vorhanden sind, gibt es immer noch Überfälle und Morde.

Circa in der Mitte des Romans geht es vorrangig darum, wie die Menschen versuchen, wieder eine Art Gesellschaft zu errichten. Das ist manchmal etwas langatmig, aber langweilig war es nie.

Das Ende des Buches begleitet dann Stu, Glen, Ralph und Larry zu ihrem Kampf gegen den Dunklen Mann.

Nachdem ich das Buch beendet hatte, war ich regelrecht traurig, dass ich die Überlebenden zurücklassen musste. Vom Ende der Geschichte werde ich hier nichts verraten, nur soviel: typisch King … Aber ich kann damit leben. 🙂

 

Text: Susanne Sommerfeld

abc.etüden – 04/05-2020

2020_0405_2_300

 

Liebe Leserinnen und Leser,

hier folgt nun meine Etüde für die Textwochen 4 und 5, ins Leben gerufen von Christiane (Blog „Irgendwas ist immer“). Die 3 Wörter wurden von OnlyBatsCanHang gespendet.

 

Im Hintergrund plätscherte der Shannon und der Duft nach Regen lag in der Luft. Aileen stand am Grab ihrer Großmutter und legte einen Papiertiger auf das keltische Kreuz. Großmutter hatte Origami geliebt und der Tiger war ihr liebstes Motiv gewesen.
»Für dich, Maimeó«, flüsterte sie.
Jeden Tag kam sie zum Friedhof. Seit ihre Großmutter vor zwei Jahren gestorben war, hatte sie niemanden mehr, dem sie ihre Gedanken mitteilen konnte. Ihre Eltern arbeiteten viel und hart. In den wenigen Momenten, die sie mit ihr verbrachten, wollte sie sie nicht mit ihren Problemen belasten. Es gab Dinge, die sie nicht einmal ihrer besten Freundin Bridget erzählen würde.
»Maimeó, ich vermisse dich so. Warum hast du mich allein hier zurückgelassen?«
Der Kies knirschte, als sich hinter ihr jemand näherte.
»Grüß dich, Aileen.«
Aileen blieb wie versteinert stehen und wagte nicht, sich zu bewegen. Sie kannte die Stimme. Jede Nacht in ihren Träumen sprach ein Mann zu ihr, dessen Gesicht sie nie sah. Und dies war seine Stimme. Wie war das möglich? Sie kniff sich in den Unterarm. Dieses Mal träumte sie nicht.
»Aileen, sieh mich an.«
Sie wollte den Mann nicht ansehen, aber sie spürte einen Sog, dem sie sich nicht entziehen konnte. Langsam drehte sie sich um und blickte in das Gesicht des Mannes aus ihren Träumen.
Auf einmal war alles belanglos, alle Sorgen und Nöte wie weggewischt. Sie starrte in seine tiefblauen Augen und sah darin ihre geliebte Maimeó.
»Danke für den schönen Tiger, meine Liebe«, sagte ihre Großmutter und winkte ihr zu.
Nach ein paar Minuten war der Spuk vorbei und sie war wieder allein. Als sich Aileen zum Grab umdrehte, bemerkte sie, dass auch der Papiertiger verschwunden war. Und zum ersten Mal seit Monaten lächelte sie.

(287 Wörter)

 

Text: Susanne Sommerfeld

abc.etüden – 02/03-2020

2020_0203_1_300-1

Liebe Leserinnen und Leser,

das ist meine Etüdenpremiere. Ich habe mir für das Jahr 2020 vorgenommen, mehr zu schreiben, vor allem auch kürzere Texte. Und da kommen mir die Etüden ganz gelegen. Gar nicht so leicht, sich in nur 300 Wörtern auszudrücken. 🙂 Die Wortspende kommt von Christiane (Blog „Irgendwas ist immer„).

Hier also mein erster Versuch (299 Wörter):

Sabine hatte sich so auf den Skiurlaub gefreut. Dieser Ausflug sollte sie und Leo einander wieder näher bringen. Dann kam alles ganz anders und nun saß sie allein in dem viel zu luxuriösen Hotelzimmer inmitten schneebedeckter Berge und gutgelaunter Skitouristen. Sie fühlte sich mickrig und ungeliebt. Wie war es überhaupt so weit gekommen? Leo und sie waren ein glückliches Paar gewesen, bis die Andere in ihr Leben getreten war. Harmlos hatte es begonnen. Sabine hatte sich mit Danielle angefreundet, obwohl sie nichts gemeinsam hatten, außer dass sie im selben Büro arbeiteten. Am Anfang hatten sie stundenlang im Café gesessen, waren im Park spazieren und ins Kino gegangen und dann hatte sie ihr Leo vorgestellt.

Ein paar Monate später hatte sie die beiden auf frischer Tat erwischt, ausgerechnet am Valentinstag. Ihr war vorher überhaupt nichts aufgefallen. Wie konnte man so blind sein?

Es klopfte an der Tür. Dabei hatte sie doch das »Bitte nicht stören«-Schild an die Klinke gehängt. Es klopfte erneut. Sabine wischte sich die Tränen aus dem Gesicht und öffnete die Tür.
»Was machst du denn hier?«, fragte sie.
Leo stand mit einem riesigen Strauß Blumen vor ihr und machte eine betrübte Miene.
»Darf ich erstmal reinkommen?«
Leo schüttete ihr sein ganzes Herz vor die Füße, doch sie schwieg. Natürlich hörte sie gern, dass er sie liebte, ihm alles schrecklich leidtat und so etwas nie wieder vorkommen würde.
»Sag doch was, Sabine.«
Leo zog sie an sich. Sie fühlte nichts. Das war eine Erleichterung für sie. Sie würde sich nicht mehr von ihren Gefühlen herumkommandieren lassen. Ab sofort bestimmte sie die Regeln.
Sie schob Leo von sich und schüttelte den Kopf.
»Es gibt nichts mehr zu sagen.«

Einige Wochen später saß sie in ihrer neuen Wohnung in einer fremden Stadt. Sie würde noch einmal ganz von vorn anfangen.

Text: Susanne Sommerfeld

Konferenz der Plastiktiere in Dresden

20200111_140406.jpg

 

Liebe Leserinnen und Leser,

ich möchte euch heute die Sonderausstellung im Stadtmuseum Dresden – die „Konferenz der Plastiktiere“ – ans Herz legen. Diese Ausstellung zeigt etliche Spielzeuge aus der ehemaligen Sowjetunion und DDR, die auch meinen Kindergartenalltag begleitet haben. Nicht alles war mir bekannt, aber einige Plastik-Freunde habe ich doch wiedererkannt. Interessant waren auch die Lebensläufe der jeweiligen Künstler, die vor allem in den 50er bis 80er Jahren Spielzeuge entworfen haben. Diese wurden dann in Spielzeugfabriken, u. a. in Leningrad, produziert und der breiten Bevölkerung zugänglich gemacht.

Hier einige Exponate:

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Die Ausstellung läuft noch bis 01.03.2020 und kostet als Einzelticket (Vollzahler) 5 €. Ihr könnt natürlich auch ein Kombiticket für das gesamte Stadtmuseum Dresden erwerben und euch mehrere Ausstellungen in diesem Gebäude anschauen.

Mehr Informationen zur Sonderausstellung und dem Stadtmuseum Dresden erhaltet ihr hier: Stadtmuseum Dresden .

 

Text und  Fotos: Susanne Sommerfeld

Auf ins Jahr 2020!

 

Liebe Leserinnen und Leser,

Uta und ich wünschen euch ein gesundes neues Jahr. Mögen die Höhen die Tiefen überwiegen und ihr euren Träumen und Wünschen einen Schritt näher kommen.

Zu Neujahr

Will das Glück nach seinem Sinn

Dir was Gutes schenken,

Sage Dank und nimm es hin

Ohne viel Bedenken.

 

Jede Gabe sei begrüßt,

Doch vor allen Dingen:

Das, worum du dich bemühst,

Möge dir gelingen.

Wilhelm Busch (1832 – 1908), deutscher Zeichner, Maler und Schriftsteller

(Quelle: Busch, W., Gedichte. Schein und Sein, 1909)

 

Liebe Grüße,

Uta mit Nelly und Samira und Susanne

Prinzesschens Weihnachtsüberraschung

Liebe Leserinnen und Leser,

wir, d. h. Uta und Susanne nebst den Katzen Nelly und Samira, wünschen euch allen ein frohes und besinnliches Weihnachtsfest im Kreis eurer Familien sowie einen guten Rutsch ins neue Jahr.

 

FullSizeR(1)

FullSizeR_2(1)

Ich mag die blöde Mütze nicht!

IMG_3211

Mir steht sie aber gut, oder?

 

Hier folgt eine neue Geschichte von Prinzesschen. Viel Spaß beim Lesen.

 

Der Schnee ließ auf sich warten. Es würde wohl kein weißes Weihnachtsfest geben in diesem Jahr. Heute war es besonders trübe. Die nackten Äste der Bäume bogen sich im Wind, Regentropfen sammelten sich an der Fensterscheibe, an die Prinzesschen ihre Nase drückte. Ein Abenteuer, das wäre jetzt willkommen, dachte sie. So wie im letzten Jahr, als sie den Weihnachtsmann und seine treuen Rentierhelfer getroffen hatte. Von diesem Ausflug hatte sie noch oft geträumt. Seit Wochen jedoch plagte sie die Langeweile. Anton, der Nachbarskater, kam immer seltener hinaus. Er mochte keinen Regen. Stundenlang saß sie daher nun schon am Fenster und wartete darauf, dass etwas passierte.

Am nächsten Tag war es endlich vorbei mit der Tristesse. Frau Mayer verbreitete bereits am Morgen eine aufgeregte Freude. Sie summte eine Weihnachtsmelodie, während sie den Teig knetete. Prinzesschen maunzte und hatte Erfolg. Diese süße klebrige Köstlichkeit liebte sie sehr. Leider kam sie eher selten in den Genuss. Frau Mayer hatte beim letzten Mal drohend ihren Zeigefinger gehoben, als Prinzesschen nach mehr verlangte.
»Sonst wirst du noch genauso dick wie Anton.«
Der Duft nach den Lebkuchen, die im Ofen vor sich hin buken, zog durch das ganze Haus. Der Hausherr kam in die Küche, noch im Schlafanzug. Er warf einen sehnsüchtigen Blick durch das Ofenfenster. Frau Mayer lachte.
»Ihr zwei seid mir schon eine große Hilfe, immer zur Stelle, wenn es ums Essen geht.«

Der Heilige Abend war gekommen. Der Weihnachtsbaum stand in voller Pracht und Beleuchtung im Wohnzimmer und die Mayers hatten sich in Schale geworfen. Prinzesschen lebte nun schon einige Jahre in der Familie und konnte die Aufregung nicht nachvollziehen.
»Na, meine Kleine, bist du schon gespannt? Heute kommt Franzi.«
Bei diesem Namen spitzte Prinzesschen die Ohren. Ihrer Meinung nach kam Franzi viel zu selten zu Besuch. Frau Mayer meinte zwar immer, das wäre normal, wenn Kinder erwachsen würden. Prinzesschen nahm es Franzi trotzdem übel. Sie würde ihr am Anfang die kalte Schulter zeigen. Ein schlechtes Gewissen durfte sie ruhig haben.

Es klingelte. Frau Mayer eilte freudestrahlend zur Haustür. Prinzesschen rollte sich auf ihrem Kissen auf der Fensterbank zusammen und stellte sich schlafend. Doch im nächsten Moment brach ein Tumult über das sonst so ruhige Leben der Mayers hinein.
»Ach du meine Güte, wer ist das denn?«, rief Herr Mayer und seine Frau kreischte.
Prinzesschen öffnete ein Auge zu einem schmalen Schlitz und wäre beinahe vom Kissen gefallen. Was hatte Franzi da für eine Bestie angeschleppt? Ein kleines Energiebündel, weiß mit schwarzen Punkten, sprang vor ihr auf und ab und bellte in den höchsten Tönen. Vor lauter Erregung hing dem Kerl schon die Zunge aus dem Maul. Prinzesschen schloss das Auge wieder, in der Hoffnung, der Hund würde verschwinden. Doch das Bellen hörte nicht auf, auch nicht, als Franzi schimpfte.
Dann würde Prinzesschen eben selbst zur Tat schreiten müssen. Sie sprang auf und sträubte das Fell. Zusätzlich fauchte sie, so laut sie konnte, doch der Dalmatinerwelpe schien völlig unbeeindruckt. Im Gegenteil, er verstand das Ganze als Spielaufforderung und versuchte, mit immer verrückteren Sprüngen an die Fensterbank zu gelangen.
Prinzesschen drückte sich dicht ans Fenster und funkelte ihn mit einem stechenden Blick an. Bei anderen Hunden hatte das immer funktioniert. Nicht so bei diesem, der scheinbar noch nie mit einer Katze zu tun hatte. Prinzesschen würde ihm eine Lektion erteilen, die er so schnell nicht vergessen würde. Mit einem Satz sprang sie von ihrem Stammplatz herunter und landete direkt vor der Nase des verdutzten Welpen. Der Dalmatiner setzte sich auf sein Hinterteil und schaute sie erwartungsvoll an. Prinzesschen erteilte ihm einen Tatzenhieb auf die Nase, stolzierte dann mit erhobenem Kopf direkt an ihrer Familie vorbei und verschwand durch die noch immer offenstehende Haustür.

Ihr Freund Anton saß unter dem Vogelhäuschen, eine seiner Lieblingsbeschäftigungen im Winter. Dabei war er viel zu schwerfällig, um auch nur einen der schlauen Wintergäste zu erbeuten.
»Anton, du glaubst nicht, was sich meine Familie wieder erlaubt hat.«
»Psst, sei leise. Du verschreckst die Vögel.«
Prinzesschen kicherte.
»Glaubst du wirklich, dass die sich von dir fangen lassen?«
Anton warf ihr einen beleidigten Blick zu.
»Na, erzähl schon. Was ist los mit deinen Dosenöffnern?«
Der Kater schüttelte den Kopf, nachdem Prinzesschen ihre Geschichte beendet hatte.
»Das werden harte Tage für dich. Der Hund scheint ja völlig unerzogen zu sein. Was hat sich Franzi nur dabei gedacht?«
»Prinzesschen, wo bist du?«
Franzi lief durch den Garten, in der Hand eine Packung mit Prinzesschens Lieblingsleckerchen. Scheinbar hatte sie ein schlechtes Gewissen. Prinzesschen würde sie noch ein wenig zappeln lassen. Und morgen, morgen war der Tag der Abrechnung.

Die Nacht war friedlich verlaufen. Franzi hatte den Hund mit in ihr ehemaliges Zimmer genommen. Ab und zu war ein Fiepen und Kratzen an der Tür zu vernehmen, aber wenigstens war Prinzesschen jetzt sicher in ihrem Körbchen. Sie war weiterhin entschlossen, ihr Revier zu verteidigen. Franzi würde schon sehen, wer hier das Sagen hatte.
Sie träumte gerade davon, wie sie mit Anton durch die Nachbarschaft streifte, um auf Mäusejagd zu gehen, als sie etwas Kaltes auf ihrer Nase spürte. Was war das? Sie nieste und wachte auf. Sie blickte direkt in das Gesicht des Dalmatiners, der ihr mit seiner Zunge quer über die Nase schleckte. Mit einem Satz sprang sie auf. Wie war das möglich? Dann fiel ihr ein, dass sie sich am Abend auf ihrem Kissen auf dem Sofa niedergelassen hatte. Dies zu erreichen, war für den Hund kein Problem.
»Hast du denn überhaupt kein Benehmen?«, fragte sie ihn.
Der Welpe antwortete mit einem kurzen Bellen.
»Kannst du etwa nicht reden?«
Erneut bellte er und schüttelte dann seine Schlappohren.
Prinzesschen war ratlos. So ein Hund war ihr noch nie begegnet. Konnten sich denn nicht alle Tiere miteinander unterhalten? Sie würde einen letzten Versuch unternehmen.
»Verstehst du mich wirklich nicht?«
Der Welpe winselte und versuchte erneut, ihr das Gesicht abzulecken. Prinzesschen wich einen Schritt zurück. Eigentlich war der Hund ja ganz niedlich, wenn er sie nur nicht so bedrängen würde.

»Na, ihr Zwei, freundet ihr euch doch noch an?«
Franzi setzte sich neben Prinzesschen auf die Couch und streichelte mit einer Hand den Hund, mit der anderen kraulte sie Prinzesschen hinter den Ohren.
Frau Mayer betrat das Wohnzimmer und klatschte vor Freude in die Hände.
»Das ist ja mal ein friedliches Bild.«

In diesem Moment sprang der Dalmatiner auf. In seinem Eifer, Frau Mayer zu begrüßen, streifte er den Weihnachtsbaum, der sich daraufhin bedrohlich zur Seite neigte. Die ersten Christbaumkugeln fielen klirrend zu Boden, der Baum folgte. Frau Mayer quietschte auf und Franzi versuchte, den umherspringenden Hund einzufangen. Prinzesschen thronte derweil auf ihrem Kissen und beobachtete das wilde Treiben. Es würde ein verrücktes Weihnachtsfest werden, das stand fest.

 

 

 

 

Text: Susanne Sommerfeld

Fotos: Uta Wentzke

Ida und Jacob (Teil 3)

Leseratte Liesel_1

Es hat ein wenig gedauert, aber hier folgt nun Teil 3 der Geschichte um Ida und Jacob. Hier könnt ihr die ersten beiden Teile finden: Teil 1 und Teil 2.

Ida saß auf der Bank vorm Haus und besserte die abgetragene Kleidung ihrer jüngeren Geschwister aus. Die Sonne schien und der Duft nach frisch gemähtem Gras wehte durch das Dorf. Idas Gedanken waren wiederholt bei Jacob. In letzter Zeit passierte es oft, dass die Mutter ihr eine Kopfnuss verpasste, weil sie durch ihre Träumereien die Suppe anbrennen ließ oder die Hausarbeiten vernachlässigte. Das trübte ihre gute Laune jedoch nicht. Immer wieder ertappte sie sich dabei, dass sie eine Melodie vor sich hin summte.
»Soll ich dir helfen?«
Marie, Idas jüngere Schwester, setzte sich neben sie und schnappte sich eine Socke aus dem Korb. Wortlos reichte Ida ihr Nadel und Faden. Die Stirn in Falten gelegt und die Zunge zwischen die Zähne geschoben, versuchte die Kleine, das Garn ins Nadelöhr einzufädeln. Ida lächelte. Aller Anfang war schwer, aber bald würde sie eine fähige Helferin haben und konnte die Arbeit aufteilen. Schweigend verbrachten die beiden Schwestern die nächste Stunde mit den Ausbesserungsarbeiten, bis der Korb geleert war.
»Puh, endlich geschafft«, sagte Marie und wischte sich den Schweiß von der Stirn. Die Sonne stand mittlerweile hoch am Himmel. Die Mutter war heute zum Markt gegangen und es war Idas Aufgabe, für das Mittagessen zu sorgen. Viel würde es nicht zu essen geben. Die Ernte war nach einer wochenlangen Dürre mager ausgefallen.

»Sag mal, warum kommt uns Jacob nicht mal besuchen?«, fragte Marie, die in der Küche auf dem Boden saß und mit dem jüngsten Bruder Franz spielte. Seit Marie aus dem Krankenhaus entlassen worden war, sprach sie ununterbrochen über ihren neuen Freund Jacob und erzählte jedem, dass Ida ihn vor dem Feuer gerettet hatte. Ida war dankbar, dass sich Marie von ihrer Lungenerkrankung erholt hatte, aber immer wenn ihre Schwester den Namen des jungen Mannes erwähnte, kribbelte es in ihrem Magen und das Herz hüpfte vor Aufregung. Ida hatte Jacob das letzte Mal vor einigen Wochen gesehen, als sie Marie gemeinsam mit ihrer Mutter aus dem Krankenhaus abholte. Vor ihrer Mutter hätte sich Ida nie getraut, mit ihm zu sprechen. So blieb es beim Blickkontakt. Jacobs Blick bohrte sich in ihr Gedächtnis und sie träumte nachts von ihm, wie er ihre Hand hielt und mit ihr durch den Park spazierte. Wie töricht! Als ob es jemals dazu kommen würde. Ihre Mutter hatte ihr strikt verboten, sich mit einem Jungen zu treffen. Also würde Jacob sie auch nicht besuchen dürfen. Wahrscheinlich hatte er sie auch schon längst vergessen. Er sah gut aus und hatte sicher jede Menge Mädchen um sich, die ihn anhimmelten. Was sollte er an ihr finden? Sie war nicht sonderlich gescheit, hatte kaum eine Schule von innen gesehen und taugte mehr schlecht als recht für die Haushaltsführung.

***

Ida ging ihm einfach nicht aus dem Kopf. Seit sein Bein soweit geheilt war, dass er wieder in der Lage war zu laufen, war er mehrere Stunden am Tag in der Gegend unterwegs, immer in der Hoffnung, ihr zu begegnen. Doch er traf sie nie. Ihre Mutter hatte er auf dem Markt gesehen, aber er wagte nicht, sie anzusprechen. Da war eine innere Stimme, die ihm sagte, dass es keine gute Idee wäre und er Ida damit in Schwierigkeiten bringen würde. So hoffte er weiter, sie allein zu treffen.
Heute wartete er wieder auf dem Markt auf sie. Er lungerte seit Stunden zwischen den Ständen herum. Einige der Händler hatten ihn bereits aus Angst vor Diebstahl mit derben Flüchen vertrieben. Wer konnte es ihnen verdenken. Die Menschen hungerten nach der katastrophalen Missernte.

Jacob entdeckte Idas Mutter am Eierstand, wo sie mit dem Verkäufer um einen niedrigeren Preis feilschte. Er näherte sich dem Stand. Idas Mutter flehte den Händler mittlerweile an, ihr einen besseren Preis für ein Dutzend Eier zu anzubieten, doch dieser gab nicht nach.
»Zwei Franken für die Eier, das ist doch nicht zu viel verlangt«, klagte der Händler und wendete sich an den Verkäufer vom Nachbarstand, der Gemüse verkaufte.
»Was meinst du? Bin ich etwa ein Halsabschneider?«
Der Gemüsehändler schüttelte den Kopf.
»Angebot und Nachfrage, werte Dame. So ist das heutzutage«, sagte er.
Idas Mutter liefen die Tränen über die Wangen. Sie wischte sie mit dem Ärmel ihrer Bluse weg.
»Dann nehme ich wenigstens sechs Eier«, gab sie nach. »Aber vielleicht können Sie mir sagen, wie ich meinen Kindern erklären soll, dass es schon wieder so wenig zu essen gibt.«
Der Eierhändler packte die Ware ein und reichte sie Idas Mutter.
»Wir sollten gottesfürchtiger sein, damit die Ernte nächstes Jahr besser ausfällt«, sagte er.
Idas Mutter schnappte nach Luft. Doch bevor sie etwas entgegnen konnte, was ihr hinterher leidtat, fasste Jacob ihren Arm und zog sie vom Stand weg.
»Kommen Sie, das bringt doch nichts«, sagte er.
»Was soll das, Junge? Hey, ich war noch nicht fertig mit dem Kerl.«
Doch Jacob ließ sich nicht beirren und zog sie weiter. Idas Mutter befreite sich mit einem Ruck aus seinem Griff und blieb stehen. Misstrauisch beäugte sie ihn.
»Sag mal, ich kenne dich doch. Bist du nicht der Junge aus dem Krankenhaus? Jacob?«
Jacob nickte und Idas Mutter lachte.
»Du glaubst ja gar nicht, wie viel Marie über dich erzählt hat. Sie hat einen richtigen Narren an dir gefressen.«
»Wie geht es ihr denn?«
»Komm doch mit. Dann kannst du meine Einkäufe tragen und sie selbst fragen.«
Idas Mutter reichte ihm den Korb und hakte sich bei ihm unter. Jacobs Herz schlug immer schneller. Würde er heute Ida sehen?

***

Ida scheuchte Marie durch die Küche. Die kleine Schwester hatte ihr geholfen, Kartoffeln zu schälen und Gemüse zu schneiden und es dabei geschafft, die Küchenabfälle überall auf dem Boden zu verteilen.
»Du bist doch kein Kleinkind mehr. Wie kannst du nur so eine Unordnung hinterlassen?«, schimpfte Ida und warf einen Lappen nach Marie.

Marie kicherte nur und rannte mit Franz im Schlepptau nach draußen. Ida fluchte. Unordnung verbreiten, das war etwas, dass ihre Geschwister wunderbar beherrschten und ihr blieb oft die Rolle, ihnen alles hinterherzuräumen. Sie hockte sich auf den Boden und sammelte die Kartoffelschalen ein.

»Schau mal, wen ich mitgebracht habe«, rief ihre Mutter.
Ida wäre am liebsten im Erdboden versunken, als sie den Besuch sah. Jacob! Hier und jetzt, während sie mit Schweißperlen auf der Stirn und halb aufgelöstem Zopf auf dem Boden hockte. Sie hatte sich das Wiedersehen anders vorgestellt, romantischer, aufregender, aber auf keinen Fall so. Sie wischte sich die Hände an der Küchenschürze ab und reichte Jacob die Hand.
»Hat es dir die Sprache verschlagen, Ida?«, fragte ihre Mutter und begann mit dem Ausräumen des Korbes.
Ida und Jacob standen sich noch immer gegenüber und schauten sich an. Peinliches Schweigen breitete sich im Raum aus, bis es Ida kaum noch aushielt.
»Wie geht es denn deinem Bein?«, fragte sie.
Jacob räusperte sich.
»Danke, es ist gut verheilt. Es werden Narben zurückbleiben, aber das macht nichts. Ich habe dir mein Leben zu verdanken, Ida.«
Ida spürte die Hitze in ihrem Gesicht aufsteigen.
»So, ihr Zwei, raus aus der Küche. Setzt euch doch draußen auf die Bank. Ich rufe euch dann zum Mittag. Du bleibst doch zum Essen, Jacob?«

***

Jacob saß neben Ida auf der Bank. Sein Herz schlug bis zum Hals und ihm fiel nicht ein gescheiter Satz ein. Aus den Augenwinkeln betrachtete er ihre gebräunten zarten Knöchel, die unter dem Kleid hervorlugten. Sie trug keine Schuhe und ihre Zehen gruben sich in den Boden. Nervös knetete sie ihre Finger. Jacob lächelte. Wenigstens schien es ihr genauso zu ergehen wie ihm.
»Wie geht es eigentlich deiner kleinen Schwester?«, fragte er, um die Stille zu durchbrechen.
»Marie ist wieder gesund. Gesund genug, um mich zu ärgern.«
Jacob lachte. Er hatte sich immer Geschwister gewünscht, aber er war ein Einzelkind geblieben. Was hätte er für eine freche kleine Schwester gegeben.

***

»Jacob, Jacob!«, rief Marie schon von weitem und stürmte auf ihn zu. Ihren Bruder zog sie hinter sich her.
»Wenn man vom Teufel spricht«, sagte Ida. »Langsam, Marie, nicht so stürmisch.«
Doch Marie hing Jacob schon am Hals und drückte ihn fest. Franz stand daneben und machte große Augen.
»Endlich kommst du uns mal besuchen, Jacob. Ich habe dich schon so vermisst. Wie geht es deinem Bein? Kannst du wieder arbeiten gehen?«
Ida rollte mit den Augen. Marie konnte einem wirklich Löcher in den Bauch fragen. Armer Jacob! Sie schaute ihn an und Jacob erwiderte ihr Lächeln mit einem Augenzwinkern. In ihrem Magen breitete sich ein kribbelndes Gefühl aus. So etwas hatte sie noch bei keinem anderen Jungen gespürt.

»Mittagessen!«, rief die Mutter von drin.
Wie junge Hunde stürmten Marie und Franz ins Haus. Ida wollte gerade von der Bank aufstehen, da nahm Jacob ihre Hand. Warm war seine Hand und Ida fühlte die Schwielen von der harten Arbeit in der Fischfabrik. Jacob zog Ida näher an sich heran und gab ihr einen Kuss. Ihr erster! In Idas Bauch flatterten die Schmetterlinge. Sie genoss das Gefühl von Jacobs Lippen auf ihren. Wenn sie diesen Moment doch nur konservieren könnte.

Fortsetzung folgt …

 

Text und Foto: Susanne Sommerfeld