Schreiben unter freiem Himmel

Liebe Leserinnen und Leser,

„Schreiben unter freiem Himmel – Natur und Kunst“ – so lautete das Motto des Schreibworkshops, den ich heute besucht habe. Ausgerichtet wurde dieser von Anett Kollmann, deren Schreibkurse ich bereits in unserem Thalia in Dresden besucht habe (und weiterhin besuchen werde).

Zum Glück war es heute auch nicht ganz so heiß und drückend wie in den letzten Tagen, so dass der Kopf auch brav mitgearbeitet hat. Getroffen haben wir uns, d. h. 3 Mitstreiter und ich, mit Frau Kollmann im Großen Garten in Dresden und dann ging es auch direkt los mit einer Lockerungsübung fürs Gehirn. Dafür mussten wir ein ABC-Darium aufschreiben. Das bedeutet, dass man untereinander alle Buchstaben des ABC aufschreibt und zu jedem Buchstaben ein Stichwort, in diesem Fall zum Thema Park, notiert. Das klingt leichter als es ist, aber gemeinsam haben wir dann am Ende sogar noch zu den unmöglichsten Buchstaben ein Wort gefunden.

Danach ging es weiter mit einer Übung, die Frau Kollmann „66 Schritte“ nannte. Wir mussten bis zu einem vereinbarten Treffpunkt aller 66 Schritte stehenbleiben und an diesem Punkt unsere jeweiligen Beobachtungen und Empfindungen aufschreiben. Eine sehr interessante Aufgabe, die wirklich auch die Beobachtungsgabe stärkt.

Nach dieser Übung haben wir uns an einem schattigen Plätzchen, einem kleinen Amphitheater, niedergelassen, aber nicht um zu pausieren. Nein, es ging direkt weiter. Als nächstes mussten wir uns drei bis vier Wörter aus unseren Notizen auswählen und ein japanisches Haiku bzw. ein Tanka bilden. Ein Haiku bzw. Tanka ist ein japanisches Kurzgedicht mit einer bestimmten Silbenanzahl pro Zeile.

Schlussendlich durfte jeder zwei Wörter aus seiner Liste auswählen und aus den insgesamt acht Wörtern aller Teilnehmer sollte eine Geschichte entstehen. Wir hatten hierfür eine Stunde Zeit. Ich habe mir eine gemütliche Parkbank gesucht mit Blick auf den Palaisteich und seinen Springbrunnen und es tatsächlich geschafft, in dieser Zeit eine kurze Geschichte mit allen acht Wörtern zu erstellen.

In den nächsten Tagen werde ich diese noch einmal überarbeiten und dann im Blog einstellen. Die acht Wörter würde ich euch auch mitteilen, damit ihr seht, welch unterschiedliche Ideen dort eingebracht werden mussten. Das war wirklich gar nicht so leicht.

Am Ende haben alle Teilnehmer ihre Geschichten vorgelesen und die anderen durften dann Kritik üben. Diese konstruktive Kritik soll schließlich dabei helfen, sich zu verbessern.

Frau Kollmann ist eine sehr angenehme Person und bringt Schreibtipps mit viel Humor rüber. Ich kann ihre Kurse im Thalia Dresden nur weiterempfehlen. Hier könnt ihr mehr über sie und ihre angebotenen Kurse erfahren: Internetseite Frau Kollmann.

Ich wünsche euch noch einen angenehmen Abend,

Susanne

Story Cubes

Liebe Leserinnen und Leser,

kennt ihr diese Würfel, die sogenannten Story Cubes? Vor ein paar Tagen stand ich im Drogeriemarkt vor einem Regal und da fiel mir so eine kleine Schachtel ins Auge. Story Cubes las ich und dachte: Das könnte was für mich sein! Nach kurzer Überlegung habe ich die Schachtel mitgenommen. Mittlerweile sind zum Anfängerset mit 9 Würfeln (orange) noch die Story Cubes Actions (blau, 9 Würfel), Fantasia (pink, 9 Würfel) und Animals (grün, 3 Würfel) dazugekommen.

20190223_214750

Prinzip der Würfel ist es, seine Kreativität zu steigern. Man kann alle 9 Würfel einer Serie nutzen oder auch weniger, man kann die Würfel mehrerer Sets kombinieren und dann soll man sich aus den gewürfelten Symbolen eine Geschichte ausdenken. Man kann dies allein tun, aber natürlich auch in geselliger Runde oder mit Kindern.

Hier gibt es noch ein paar Infos zu den Würfeln: Story Cubes.

Erzählt mir doch mal, was ihr von der Idee haltet, damit Schreibübungen durchzuführen. Vielleicht habt ihr die Würfel ja auch selbst schon verwendet.

Hier mein erster Versuch mit dem Starterset:

Gehstock – Sternschnuppe – Flugzeug – Feuer – Baum – Uhr – Schlüsselloch – Käfer – Zauberstab

Langsam ließ sich der alte Mann auf die Bank sinken und legte seinen Stock beiseite. Sein Blick fiel auf den Baum, dem er seit vielen Jahren täglich einen Besuch abstattete. Eine alte Eiche war es und sie stand schon seit mindestens hundert Jahren an dieser Stelle. Sie hatte während dieser ganzen langen Zeit vielen Dingen getrotzt: Dürreperioden, Gewitter, Stürme, dem Waldbrand vor zwanzig Jahren. Der Baum ist genauso stur wie ich, dachte der Mann und lachte. Er hörte ein brummendes Geräusch und blickte in den Himmel. Weit oben zog ein Flugzeug einen weißen Streifen hinter sich her. Wohin es wohl fliegen mochte? Früher war er oft gereist, aber nun war er zu gebrechlich für solche Anstrengungen. Wenn doch nur eine Fee erscheinen und ihm mit ihrem Zauberstab drei Wünsche schenken würde. Dann würde er sich zum Beispiel wünschen, noch einmal jung zu sein. Er hatte ein gutes Leben gelebt und trotzdem kam es ihm so vor, als wäre alles viel zu schnell gegangen. Die Zeiger der Uhr drehten sich erbarmungslos weiter. Als Kind hatte er hier an der Eiche nach Käfern gesucht, um sie in sein Terrarium zu setzen. Als Jugendlicher hatte er mit einem Mädchen unter dem Baum gesessen. Die ganze Nacht hatten sie hier verbracht und nach Sternschnuppen Ausschau gehalten. Diese Erinnerungen waren für ihn, als ob er durch ein Schlüsselloch in seine Vergangenheit schauen würde. Es begann an der Eiche und vielleicht würde es auch hier an der Eiche enden.

 

Liebe Grüße, Susanne

 

Text und Foto: Susanne Sommerfeld