Katzenweihnacht – Eine weihnachtliche Kurzgeschichte (Teil 3/3)

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Mit einem Ruck fuhr der Schlitten an und Prinzesschen drückte sich fest auf das weiche Fell. Die Glöckchen der Rentiere bimmelten immer lauter, je schneller der Schlitten fuhr und mit einem Mal hoben alle neun Tiere ab.
„Wie im Film, es ist wie im Film“, murmelte Prinzesschen vor sich hin.
Als sich der Schlitten in die Luft erhob, spürte sie ein kribbelndes Gefühl im Bauch. Wenn das kein Abenteuer war! Sie würde dem Nachbarskater eines Tages davon erzählen. Seine Vogeljagd war nichts dagegen. Langsam entspannte sie sich und wagte sogar einen Blick nach unten.
„Gefällt dir das, kleine Katze?“, fragte der Weihnachtsmann und lächelte.
Prinzesschen nickte.
„Es ist einfach wunderbar. So ein Abenteuer hätte ich mir nie erträumt. Aber woher kennst du mich?“
„Mein entzückendes Prinzesschen. Ich kenne alle Menschen und ihre Wünsche, vor allem die der Kinder und der Tiere. Nun bist du an der Reihe, dass dir ein Traum erfüllt wird.“

Unter ihnen blitzten die ersten Lichter. Sie hatten die große Stadt erreicht. Prinzesschen kannte die Stadt, denn dort wohnte der Tierarzt.
„Halt dich fest, kleine Katze. Jetzt wird es ernst.“
Kaum hatte der Weihnachtsmann seine Worte ausgesprochen, neigte sich der Schlitten nach unten. Die Rentiere galoppierten in einem haarsträubenden Tempo dem Boden entgegen, zogen eine steile Kurve und landeten dann den Schlitten etwas unsanft auf der Straße. Prinzesschen hatte sich im Lammfell festgekrallt und entspannte sich erst, als der Schlitten zum Stehen kam.

Der Weihnachtsmann sprang trotz seines erheblichen Umfangs elegant vom Kutschbock und schnappte sich den ersten Sack von der Ladefläche.
„Worauf wartest du, Prinzesschen? Komm mit.“
„Rutschst du denn nicht durch den Schornstein?“
Der Weihnachtsmann grinste.
„Da hat das Fernsehen ja ganze Arbeit geleistet. Nein, ich bevorzuge schon immer Türen.“
Sie schlichen auf leisen Sohlen durch das stille Haus bis ins Wohnzimmer und legten die Geschenke unter den Weihnachtsbaum. Auf einmal knarzte im oberen Stock eine Diele und sie hörten ein leises Kichern. Prinzesschen zuckte zusammen, aber der Weihnachtsmann blieb gelassen. Er legte den Zeigefinger auf die Lippen und wies mit dem Kopf zur Terrassentür. Mit flinken Schritten verließen sie das Haus und tauchten im dunklen Garten unter.

„Hat dich schon mal ein Kind ertappt?“, fragte Prinzesschen, als sie wieder auf dem Schlitten saßen und zum nächsten Haus fuhren.
„Ja, das ist mir schon passiert. Zum Glück glaubte das Kind noch an mich und hat mich nur angestarrt.“
Gab es denn Kinder, die nicht an den Weihnachtsmann glauben?, fragte sich Prinzesschen.
„Ich kann deine Gedanken hören, kleine Katze. Glaube mir, es wird immer schwieriger, die Kinder davon zu überzeugen, dass es mich wirklich gibt.“

Die Nacht verging im wahrsten Sinne des Wortes wie im Flug. Sie hatten unzählige Geschenke verteilt. Prinzesschen stellte sich vor, wie die Kinderaugen am nächsten Tag leuchten würden.
Der Morgen graute bereits, als der Schlitten wieder vor Prinzesschens Haus landete. Wehmütig verabschiedete sie sich von den Rentieren. Wer wusste schon, ob sie sie je wiedersehen würde? Der Weihnachtsmann und seine Helfer machten sich nun wieder auf den Weg in den Norden, in ihre Heimat.
Prinzesschen drehte sich noch einmal um, als sie an der Haustür angekommen war. Rudolphs Nase blinkte rot, als der Weihnachtsmann das Signal zum Starten gab. Nach wenigen Sekunden war der Schlitten auch schon verschwunden.

Was für ein Abenteuer, dachte Prinzesschen und rollte sich in ihrem gemütlichen Bettchen zusammen. Sie träumte vom Weihnachtsmann, von fliegenden Rentieren und einer wilden Schlittenfahrt durch die Nacht. Am nächsten Tag wachte sie auf und hätte nicht sagen können, ob sie die Erlebnisse der letzten Nacht wirklich erlebt hatte oder ob alles nur ein Traum gewesen war. Ihr Blick fiel auf den Weihnachtsbaum, der prächtig geschmückt im Wohnzimmer stand. Darunter lagen vier Pakete, die gestern noch nicht dort gelegen hatten.

Prinzesschen setzte sich auf die Fensterbank und schaute zum Himmel. Wie immer im Winter wurde es schon wieder dunkel. Sie meinte, ein leises Glockengeläut zu vernehmen und dann sah sie es: ein rotes Blinken am Himmel. Kein Flugzeug, nein, es war Rudolph, der ihr einen freundlichen Gruß zu Weihnachten schickte.

 

Text: Susanne Sommerfeld

Foto: Uta Wentzke

Katzenweihnacht – Eine weihnachtliche Kurzgeschichte (Teil 2/3)

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„Ich bin übrigens Comet, eines der Rentiere von Santa Claus.“
„Comet, was für ein außergewöhnlicher Name. Wie viele Rentiere hat dieser Santa Claus denn?“
„Wir sind neun. Der Star ist natürlich Rudolph. Sicher hast du schon von ihm gehört.“
„Der mit der roten Nase? Franzi hat die Geschichte mal im Fernsehen geschaut.“
Comet seufzte.
„Ja, Rudolph kennt jeder. Nur wir werden gern mal vergessen.“
Das Rentier stapfte auf den Gartenzaun zu und schlüpfte durch das offene Türchen. Prinzesschen blieb stehen und schnupperte am Schnee. Der kitzelte in der Nase. Wieder eine neue Erfahrung. Schließlich hatte sie das Haus bis jetzt nur selten verlassen und wenn, dann nur im Auto der Mayers. Dann fuhren sie sie immer zum Tierarzt, eine unangenehme Sache. Ratlos schaute sie sich zum Haus um, dann wieder zum Gartentürchen. Sollte sie wirklich hinter dem seltsamen Rentier herlaufen? Was hatte Comet vor?
„Nun komm schon, Prinzesschen. Du wolltest ein Abenteuer und jetzt hast du die Chance. Du wirst doch nicht kneifen, oder?“

Sie und kneifen? Entschlossen schüttelte sie den Kopf und verließ den Garten ihrer Familie. Comet lief munter auf dem Bürgersteig vornweg und Prinzesschen hatte Müh und Not, mit ihren krummen Beinchen Schritt mit ihm zu halten. Doch sie würde sich nicht beschweren. Comet würde schon sehen, was in ihr steckte. Schließlich gehörte sie zur selben Familie wie Tiger und Löwen. Sie hüpfte durch den weichen Pulverschnee und genoss das kalte Gefühl an ihren Pfoten. Immer dichter fielen die Schneeflocken vom Himmel und ab und zu streckte Prinzesschen die Zunge heraus, um eine Flocke einzufangen.
„Du warst wirklich noch nie draußen, oder?“, fragte Comet nach einiger Zeit.
„Ich bin eine Hauskatze. Meine Familie hat Angst, dass ich unter die Räder komme. Schau dir doch bloß meine Beine an! Damit bin ich nicht gerade die Schnellste.“
Schweigend liefen die beiden weiter, bis sie die letzten Häuser und Laternen der Straße hinter sich gelassen hatten. Danach führte sie ein schmaler Pfad direkt in den dunklen Wald. Prinzesschen blieb stehen. Solch eine Schwärze hatte sie noch nie erlebt. Was alles hinter den vielen Bäumen lauern mochte?

Huh-Huhuhu-Huuuh!
Prinzesschen stemmte ihre Pfötchen in den Boden. Ihre Ohren zuckten in alle Richtungen.
„Was war das?“
„Nur ein Waldkauz. Vor dem brauchst du keine Angst zu haben. Der jagt Mäuse, so wie ihr Katzen auch.“
Ein Waldkauz, was das wohl sein mochte? Doch sie fragte nicht nach. Comet hielt sie schon für unwissend genug. Langsam lief sie weiter, schaute sich aber immer wieder um. Sie war erstaunt, wie gut sie im Dunkeln sehen konnte, aber auch ihre Ohren vernahmen selbst leiseste Geräusche. Überall raschelte und knackte es. Ihre Nerven waren bis auf Ärgste gespannt.
„Sag mal, Comet, wohin gehen wir denn?“
Er antwortete nicht, sondern wies mit einer nickenden Bewegung nach vorn. Ein rot blinkendes Licht war zwischen den Bäumen zu sehen. Dann hörte sie das leise Bimmeln von Glöckchen. Dieses Geräusch hatte sie schon einmal gehört, in dem Film über das Rentier Rudolph, den Franzi damals zu Weihnachten gesehen hatte.

Prinzesschen lief so schnell es ihre unförmigen Beinchen erlaubten. Comet eilte neben ihr her. An der Lichtung angekommen, stoppte sie. Sie traute ihren Augen kaum. Die Szene wirkte, als wäre sie einem Traum oder ihrer abenteuerlustigen Fantasie entsprungen. Comet stupste sie an und Prinzesschen schlich auf die acht Rentiere zu, die sich um einen großen Holzschlitten geschart hatten. Auf dem Schlitten saß ein in einen roten Mantel gekleideter Mann von unschätzbarem Alter mit einem weißen langen Bart und vor Freude blitzenden Augen. Er lachte laut und hielt sich dabei seinen dicken Bauch.
„Hey, Comet! Wen hast du denn da mitgebracht?“
Neugierige Blicke hefteten sich auf sie und der Mann – das musste wohl der Weihnachtsmann sein – stieg von seinem Schlitten. Er hockte sich vor sie hin und schaute sie freundlich an.
„Bist du etwa Prinzesschen, die kleine Katze, die von großen Abenteuern träumt?“
Prinzesschen war so verdutzt, dass sie kein Wort hervorbrachte. Der Mann erhob sich und lachte erneut herzhaft. Dann klatschte er in die Hände.
„Na, dann wollen wir mal. Auf geht‘s. Wir haben keine Zeit zu verlieren.“

Prinzesschen staunte, wie schnell sich die Rentiere vor dem Schlitten sortiert hatten, Rudolph selbstverständlich vorn an der Spitze. Das berühmte Rentier war leicht zu erkennen, denn seine Nase leuchtete in demselben Rot wie der Mantel des Weihnachtsmannes. Dieser spannte die Rentiere an und setzte sich auf den Kutschbock. Mit seiner rechten Hand klopfte er neben sich.
„Willst du hier Wurzeln schlagen, Prinzesschen? Spring auf den Schlitten. Du darfst neben mir sitzen.“
Mit einem Satz sprang sie hinauf und nahm auf dem weichen Lammfell Platz. Sie schaute sich um und sah, dass der Schlitten voller Säcke war. Das waren vermutlich die Geschenke für die Kinder.
„Los, meine Rentiere. Ihr wisst, was ihr zu tun habt. Lasst uns den Kindern das Weihnachtsfest versüßen.“

 

Text: Susanne Sommerfeld

Foto: Uta Wentzke

Katzenweihnacht – Eine weihnachtliche Kurzgeschichte (Teil 1/3)

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Prinzesschen saß auf der Fensterbank und schaute sehnsüchtig auf die Schneeflocken, die vom Himmel herunter schwebten und den Garten in strahlendes Weiß hüllten. So sehr sie die warme Stube zu schätzen wusste, sehnte sie sich doch immer wieder nach einem Abenteuer. Dort draußen gab es sicher Unmengen davon. Oft beobachtete sie, wie sich der rot getigerte Nachbarskater durch den Gartenzaun durchzwängte. Im Frühling lauerte er im Gebüsch und im Winter hockte er unter dem Vogelhäuschen. Aber bis jetzt hatte Prinzesschen noch nie erlebt, dass der dicke Kater auch nur einen Vogel gefangen hatte. Wie gern hätte sie ihn auf seinen Streifzügen begleitet.

Vor vielen Jahren war sie als kleines schwarzes Knäuel in die Familie Mayer gekommen. Ein Kätzchen, was sich kaum auf den krummen Beinchen halten konnte. Keiner hatte sie beachtet, bis die Tochter der Mayers, Franzi, eines Tages vor ihrem Zwinger stand und mit dem Finger auf sie zeigte.
„Die will ich haben. Die oder keine.“

Und so war sie bei den Mayers eingezogen und arrangierte sich mit ihrem Namen, den Franzi ihr gegeben hatte. Eine Prinzessin hatte sie nie sein wollen. Denn wie eine solche war sie eingesperrt und durfte das Haus nie verlassen. Franzi war schon längst ausgezogen und eine beklemmende Ruhe war in den ehemals quirligen Haushalt eingezogen. Herr Mayer zog sich meist in die Werkstatt im Keller des Hauses zurück, wo er seiner Leidenschaft nachging. Er hatte dort eine komplette Kleinstadt aufgebaut, um die emsig die elektrischen Eisenbahnen sausten. Einen kurzen Blick hatte sie einmal darauf geworfen, dann hatte Herr Mayer sie aus dem Zimmer gescheucht und die Tür geschlossen. Frau Mayer stand am liebsten in der Küche, um neue Rezepte auszuprobieren. Dann zogen verführerische Düfte durch das Haus und Herr Mayer war angehalten, alles zu verkosten und seine Meinung abzugeben. Prinzesschen wartete stets brav unter dem Esstisch, denn dort wanderte der eine oder andere Leckerbissen zu ihr. Natürlich musste dies heimlich geschehen, denn Frau Mayer sah es gar nicht gern, wenn Herr Mayer ihr etwas zusteckte.
„Prinzesschen soll schließlich nicht zu dick oder gar krank werden.“
Herr Mayer nickte und im nächsten Moment, wenn seine Frau ihm den Rücken kehrte, bekam Prinzesschen ihren Anteil.

Sie wollte sich gerade auf ihren Schlafplatz neben dem Sofa zurückziehen, da bemerkte Prinzesschen eine Bewegung im Garten. Was war das gewesen? Als sie schon dachte, sich das eingebildet zu haben, bewegte sich wieder etwas. Das konnte doch nicht sein, oder? Ein Rentier in einem deutschen Garten? Prinzesschen schloss die Augen und öffnete sie wieder. Tatsächlich, es ließ sich nicht leugnen, es war ein Rentier. Und jetzt hatte es ihr auch noch zugezwinkert. Prinzesschen schüttelte unwillig den Kopf. Nun hatte sie endgültig den Verstand verloren.

Erneut schloss sie die Augen und blinzelte nach einigen Sekunden in den Garten, in der Hoffnung, dass diese Halluzination – und nichts anderes konnte es gewesen sein – verschwunden wäre. Doch das Rentier war noch immer da. Es war sogar etwas näher gekommen. Prinzesschen stand auf, machte einen Buckel und fauchte. Das Rentier schien das nicht zu beeindrucken. Es kam so nah heran, dass es seine Nase an die Fensterscheibe drückte.
„Bist du Prinzesschen?“, fragte es.
Sie wäre beinahe vom Fensterbrett gefallen. Wieso redete das Rentier mit ihr und warum kannte es ihren Namen? Dann fiel es ihr ein. Sie träumte, natürlich. In einem Traum war alles möglich. Manchmal träumte sie davon, ein Löwe zu sein, der einsam durch die Savanne stolzierte. Sie hatte so eine Szene in einer Fernsehsendung gesehen, die die Mayers eines Abends geschaut hatten. Prinzesschen schüttelte und streckte sich. Sie biss sich sanft in die linke Vorderpfote. Autsch! Jetzt war sie munter.
Es klopfte an die Fensterscheibe.
„Ich rede mit dir. Du bist doch Prinzesschen, oder?“
Erschrocken fauchte Prinzesschen erneut. Es war kein Traum. Dies hier war real. Im Garten der Mayers stand ein Rentier, glotzte durch die Scheibe und redete mit ihr. Und es schien verärgert zu sein, weil sie nicht antwortete. Vorsichtig nickte Prinzesschen.
„Na, super. Dann bin ich ja richtig gelandet hier. Komm mal in den Garten. Durch die Scheibe kann man ja gar nicht gescheit miteinander reden.“
„Ich bin eine Stubenkatze und darf nicht raus.“
Das Rentier rollte mit den Augen.
„Und du willst eine Katze sein? Katzen wissen doch, wie man Türen öffnet.“
„Ich nicht. Das machen die Menschen für mich. Oder eben auch nicht.“
Sie ärgerte sich über das Rentier. Warum hätte sie je lernen sollen, Türen zu öffnen? So ein hochnäsiges Ding!
„Du musst dich einfach an die Türklinke hängen. Dann geht die Tür auf. Ich warte davor auf dich.“
Das Rentier trat vom Fenster zurück und lief in Richtung Eingangstür. Prinzesschen saß wie versteinert auf der Fensterbank. Was hatte das alles zu bedeuten? Sollte sie es wagen, das Haus zu verlassen? Noch nie war sie draußen gewesen, sondern hatte das Leben außerhalb der Mauern immer nur durch das Fenster verfolgt. Sie sprang von der Fensterbank und näherte sich der Hauseingangstür. Mit einem Mal kam diese ihr riesig und bedrohlich vor. Vielleicht aber war genau das das Abenteuer, nach dem sie sich sehnte. Mit einem eleganten Sprung hing sie sich an die Türklinke. Ein leises Klicken war zu hören und die Tür öffnete sich. Vorsichtig schob Prinzesschen den Kopf nach draußen.
„Bist du bereit?“, fragte das Rentier.
Sie nickte.

 

Text: Susanne Sommerfeld

Foto: Uta Wentzke

Devil’s Ground

Meine lieben Leserinnen und Leser,

meine dritte und vorerst letzte Kurzgeschichte ist nun bei Amazon als E-Book erhältlich. Es hat ein wenig gedauert, aber da ich zeitgleich mit dem Schreiben meines ersten Romans beschäftigt war bzw. noch immer bin, ging es einfach nicht schneller.

Ich wünsche euch viel Spaß beim Lesen.

 

 

Beautiful photo of cat looking out of wooden board. Vintage grun

 

Paul freut sich auf die Ferienreise durch seine Heimat. Endlich einmal Abwechslung in seinem sonst so routinierten Alltagsleben als Lehrer. Doch mit der Besichtigung der Geisterstadt Devil‘s Ground nimmt die Reise eine ungeahnte Wendung.

Als E-Book bei Amazon erhältlich

Lebenszeichen

Hallo ihr Lieben,

lange haben wir nichts mehr von uns hören lassen, aber derzeit stecke ich – Susanne Sommerfeld – bis über beide Ohren in der Erstellung eines Covers für meine neueste Kurzgeschichte, „Devil’s Ground“, die nächste Woche endlich erscheinen soll, und in der Überarbeitung meines ersten Romans. Daher kommt der Blog derzeit etwas zu kurz.

Da aber auch ich mal an die frische Luft muss, habe ich mal wieder meine geliebte Galloway-Herde bei Niesky (Sachsen) besucht. Diese schottische Rinderrasse sieht den schottischen Hochlandrindern sehr ähnlich, hat aber keine Hörner. Es sind schon beeindruckend große Tiere und ich würde mir nicht wagen, die Weide zu betreten.

Die Familie, die diese Rinder züchtet, macht dies nur für den Eigenbedarf. Die Tiere führen ein artgerechtes Leben mitten im schönen Seengebiet bei Niesky. Ein paar hundert Meter weiter konnten wir jede Menge Graugänse und Kraniche sowie anderes Wassergeflügel beobachten. Leider waren diese Tiere etwas zu weit weg für meine Handykamera, daher gibt es heute nur Bilder von den Galloways.

Text und Fotos: Susanne Sommerfeld

Der perfekte Weihnachtsbaum

Wir wünschen unseren Leserinnen und Lesern ein frohes und besinnliches Weihnachtsfest. Zum Einstimmen hier eine kurze Geschichte.

Die ersten Schneeflocken des Winters fielen vom wolkenverhangenen Himmel und legten sich leise auf alle Oberflächen. Bald schon waren Bäume, Sträucher und Wiesen weiß bedeckt und die Kinder des Dorfes konnten es kaum erwarten, einen Schneemann zu bauen. Doch Geduld war gefragt, noch reichte der Schnee nicht dafür. Die kleine Sarah stapfte mit ihren neuen roten Winterstiefeln über die Wiese hinter dem Haus und schaute missmutig in den Himmel. Wenn es doch nur schneller schneien würde, dachte sie. Als ob die grauen Wolken ein Einsehen mit ihr hätten, fielen immer mehr und immer größere Schneeflocken herab und bald sah Sarah selbst aus wie ein Schneemann. Lachend drehte sie sich ein paar Mal um sich selbst und rannte dann los, immer weiter bis zum nahegelegenen Waldrand. Bald konnte sie die Stimmen der anderen spielenden Kinder nur noch gedämpft hören. Ihre Eltern hatten ihr verboten, zu weit in den Wald hineinzulaufen, aber sie wollte sich nur ein wenig umschauen. Schließlich war Adventszeit und vielleicht würde sie einen geeigneten Weihnachtsbaum entdecken, den sie dann ihrem Vater zeigen könnte. Jedes Jahr holte ihre Familie einen kleinen Baum aus dem Wald, stellte ihn mitten in das gemütliche Wohnzimmer und schmückte ihn gemeinsam. Dieses Ritual liebte Sarah sehr und so hielt sie Ausschau nach einem schönen Baum. Es gab so viel zu entdecken im Wald und sie liebte die Stille dort.

Plötzlich raschelte es im Unterholz. Sarah zuckte zusammen und ihr wurde schlagartig bewusst, wie weit sie schon in den Wald vorgedrungen war. Sie drehte sich um und konnte den Waldrand und die Wiese nicht mehr sehen. Obwohl sie sich vorher noch nie im Wald gefürchtet hatte, bekam sie jetzt doch ein wenig Angst und wollte gerade den Rückweg antreten, als zwischen den Bäumen etwas aufblitzte. Ihre Nackenhaare stellten sich auf, aber die kindliche Neugier konnte sie nicht unterdrücken. Langsam näherte sie sich der Stelle, von der inzwischen ein helles Leuchten ausging. Nach einigen Metern trat sie auf eine Lichtung und schaute mit großen Augen auf das Schauspiel, welches sich ihr bot. Mitten auf der Lichtung stand die schönste Tanne, die sie je gesehen hatte, und ein goldenes Licht umgab den prachtvollen Baum. Die auf die Zweige fallenden Schneeflocken glitzerten ebenfalls goldfarben und wirkten wie weihnachtlich funkelnder Baumschmuck. Sie lief auf den Baum zu und wusste, sie hatte den perfekten Familienweihnachtsbaum für das diesjährige Fest gefunden. Vor ihrem geistigen Auge sah sie bereits, wie wunderbar er das Wohnzimmer schmücken würde. Ihr Vater würde stolz auf sie sein und sicher auch vergessen, sie zu tadeln, weil sie allein in den Wald gelaufen war.

Nun wollte sie schnell nach Hause laufen und später mit ihrem Vater zurückkommen, um den Baum zu fällen. Im Gehen drehte sie sich noch einmal zu der Lichtung um und stolperte dabei über eine am Boden liegende Wurzel. Zum Glück lag noch Laub am Boden und die Schneeschicht dämpfte ihren Sturz zusätzlich. Vor sich hin schimpfend rappelte sie sich wieder auf und klopfte sich den Schnee von der Hose und ihrem Mantel. Da drang ein leises Klingeln an ihr Ohr. Erneut wendete sie sich der Lichtung zu und traute ihren Augen kaum. Neben der Tanne stand ein großer Schlitten, vor dem neun graubraune Rentiere eingespannt waren. Jedes Rentier hatte ein rotes Band mit einem silbernen Glöckchen um den Hals. Auf dem Schlitten saß ein älterer beleibter Mann mit einem langen weißen Bart, bekleidet mit einem weiten roten Mantel. Auf seinem Kopf saß eine ebenfalls rote Mütze, welche mit weißem Pelz besetzt war. Er schaute zu Sarah hinüber und winkte ihr. Selbst von hier aus konnte sie sein freundliches Gesicht erkennen. Sarah rieb sich die Augen und war sich auf einmal nicht mehr sicher, ob sie wach war oder träumte. Eilig kniff sie sich fest in den linken Arm. Au! Mehrfach zwinkerte sie mit den Augen, aber der Schlitten, der alte Mann, die Rentiere und der leuchtende Weihnachtsbaum waren immer noch da. Sarah stand wie angewurzelt und traute sich kaum zu atmen. Sie glaubte schon seit einiger Zeit nicht mehr an den Weihnachtsmann und ahnte, dass ihre Eltern hinter den Geschenken für sie steckten. Dessen war sie sich jetzt jedoch nicht mehr so sicher. Auf einmal ertönte ein lauter Pfiff und die Rentiere setzten den Schlitten in Gang. Der Weihnachtsmann winkte ihr noch einmal zu und Sarah winkte schüchtern zurück. Der Schlitten drehte noch eine Ehrenrunde auf der Lichtung und erhob sich dann in die Luft. Nur wenige Minuten später war Sarahs persönliches Weihnachtsmärchen vorbei, der Baum stand einsam auf der Lichtung, das Strahlen war erloschen und Stille senkte sich erneut über den Wald.

Sarah löste sich langsam aus ihrer Starre und trat den Heimweg an. Sie hatte entschieden, niemandem etwas von ihrem Erlebnis zu erzählen und auch den Baum zu verschonen. Ihn zu fällen und dann kurz nach Weihnachten zu entsorgen, wäre eine Schande. Nächstes Jahr in der Adventszeit würde sie ihn wieder besuchen und hoffte auf ein Wiedersehen mit dem Weihnachtsmann und den Rentieren.

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Text und Foto: Susanne Sommerfeld