Prinzesschen und das Osterfest

Prinzesschen saß auf ihrem Lieblingsplatz, der Fensterbank in der Küche. Sehnsüchtig schaute sie in den Garten. Der Schnee war vor einigen Tagen endgültig geschmolzen und die ersten Schneeglöckchen begrüßten zaghaft den Frühling. Herr Mayer holte gerade die Morgenzeitung aus dem Briefkasten.
„Schau mal, Prinzesschen, welch herrliches Wetter heute ist“, rief er ihr vom Flur aus zu.
Prinzesschen lief ihm entgegen und sah, dass die Haustür noch immer offen stand. Herr Mayer lachte und zeigte mit dem Finger nach draußen.
„Geh doch mal raus und genieße die frische Luft. Aber pass mir mit der Straße auf.“
Dann scheuchte er sie förmlich aus dem Haus. Er konnte ja nicht ahnen, dass Prinzesschen längst wusste, wie es dort draußen aussah. Ihren Ausflug mit dem Weihnachtsmann und seinen Rentieren hatte sie nicht vergessen.

Erschrocken fauchte der rote Nachbarskater sie an, als sie auf einmal neben ihm am Vogelhaus auftauchte.
„Mit mir hast du nicht gerechnet, was?“
Da der Kater nicht antwortete, stellte sie ihm die nächste Frage: „Wie heißt du eigentlich?“
Er schaute recht verdattert, brachte dann aber stotternd hervor: „A… A… Anton. Bist du nicht Prinzesschen? Seit wann darfst du denn raus?“
„Das ist mein erster Tag. Magst du mir nicht ein wenig die Gegend zeigen?“

Und so kam es, dass Prinzesschen und Anton den ganzen Vormittag durch die Siedlung streiften. Anton wusste einiges über die Bewohner zu berichten. Er warnte sie auch vor Gefahren, zum Beispiel dem schlechtgelaunten Dackel in Nummer 32.
„Das Grundstück betrittst du besser gar nicht. Waldi ist nicht gut auf Katzen zu sprechen und wenn er dich erwischt, … Ach, denk besser gar nicht daran. Halte dich einfach fern von Nummer 32.“
Prinzesschen versuchte, sich alles zu merken, was Anton ihr berichtete, aber nach etlichen Gärten schwirrte ihr der Kopf. Das waren zu viele Informationen auf einmal.
„Du hör mal, Anton. Ich brauche eine Pause. Geh doch schon mal weiter. Ich lege mich hier ein wenig in die Sonne.“
„Na klar, wir sehen uns später.“
Prinzesschen sah dem Kater hinterher, der mit einiger Mühe versuchte, sein dickes Hinterteil durch eine Lücke im Gartenzaun zu quetschen. Dann legte sie sich an den Rand der schützenden Hecke und streckte die Beine von sich. Die Strahlen der Frühlingssonne wärmten ihren Pelz. Genüsslich schnurrend schloss sie die Augen. Die neu gewonnene Freiheit gefiel ihr, war aber auch anstrengend.

„Guck mal, Flitzi, die hat ja krumme Beine. Wetten, dass die nicht so schnell rennen kann wie wir?“
„Natürlich nicht, Mümmel, wie sollte sie auch? Wir können Haken schlagen. Das können diese Kratzbürsten zum Glück nicht.“
Prinzesschen wackelte mit den Ohren. Was war das für ein Gekicher? Sicher träumte sie noch. Auf einmal traf sie etwas am Kopf. Erschrocken sprang sie auf und fauchte.
„Oh, jetzt haben wir aber Angst.“
Prinzesschen blinzelte mehrmals, aber das Bild, was sich ihr bot, wollte einfach nicht verschwinden. Nur einen Meter von ihr entfernt saßen zwei Hasen und starrten sie an. Nun sah sie auch, was sie an den Kopf geworfen bekommen hatte, einen dicken Tannenzapfen. Die beiden Langohren stießen sich an, kicherten und hielten sich die Bäuche. Was waren das für alberne Wesen?
„Was gibt es denn da zu lachen?“
„Du solltest mal dein Gesicht sehen“, sagte der kleinere der beiden.
„Ja, du schaust ganz schön bedeppert aus der Wäsche“, erwiderte der andere.
Prinzesschen schnaubte und warf den Kopf in den Nacken. Sie hatte es wahrlich nicht nötig, sich von solch ein paar dahergelaufenen Hasen beleidigen zu lassen.
„Ach, nun schau einer an. Jetzt ist die Dame auch noch beleidigt. Hey, es tut uns leid. Wir haben einen harten Job und wollten auch mal unseren Spaß haben.“
„Harter Job? Was macht ihr denn?“, fragte Prinzesschen und ging einen Schritt auf die beiden zu.
„Wir sind Osterhasen. Hast du sicher schon mal gehört. Meine Freundin Flitzi und ich, Mümmel, müssen jedes Jahr dafür sorgen, dass die Kinder in den Gärten ihre Osternester gefüllt vorfinden. Sehr anstrengende Angelegenheit.“
Prinzesschen nickte beeindruckt.
„Da habt ihr ja noch einiges zu tun. Ist nicht diesen Sonntag schon Ostern?“
„Ja, pass nur auf, ob nicht auch in deinem Garten etwas zu finden ist.“
Noch bevor Prinzesschen eine weitere Frage stellen konnte, waren die beiden Hasen schon davongehoppelt.

„Na, hast du dich schön ausgeruht?“
Anton steckte den Kopf durch die Hecke und zwängte dann den Rest seines Körpers durch die Zweige.
„Du glaubst ja nicht, was ich gerade erlebt habe.“
„Hat dich das Eichhörnchen geärgert? Oder haben die Müllers ihren Kater rausgelassen?“
„Nein, viel besser. Zwei Osterhasen habe ich gesehen. Flitzi hieß der eine, Mümmel der andere.“
Anton schaute sie verdutzt an.
„Ich glaube, du hast zu lange in der Sonne gelegen. Du bist das ja auch gar nicht gewöhnt. Lass uns heimgehen.“
Auf dem Heimweg versuchte Prinzesschen erneut, Anton von ihrer Begegnung zu erzählen, der aber schüttelte nur den Kopf und schaute sie mitleidig an.
„Armes Kätzchen. Du solltest doch lieber im heimischen Garten bleiben. Zu viel Freiheit scheint dir nicht zu bekommen.“
Sie gab es auf. Anton würde ihr nicht glauben. Der Kater hatte eben keine Fantasie.

Am Morgen des Ostersonntags regnete es. Doch Prinzesschen stellte sich an die Haustür und miaute.
„Du willst wirklich bei diesem Wetter raus?“, fragte Herr Mayer.
Prinzesschen sah ihn bittend an und die Tür zur Freiheit öffnete sich. Suchend streifte sie durch den Garten, warf einen Blick unter den Rhododendron und prüfte das Vogelhaus, aber es war nichts zu sehen. Dann endlich, als sie es schon aufgeben wollte, sah sie etwas Rotes unter der Buchsbaumhecke hervorblitzen. Mit sanften Schritten näherte sie sich dem Objekt. Was dies wohl sein mochte? Sie stupste das rote Ding mit der Nase an. Ein Ei, so groß wie Franzis Tennisball, aus Plastik. Als sie es mit der Pfote anstupste, klingelte eine Glocke im Inneren. Ein Spielzeug, ganz für sie allein.

Osterhasen gibt es eben doch!

 

Text und Foto: Susanne Sommerfeld

Darf ich vorstellen? – Mochi

Meine liebe Brieffreundin aus Amerika hatte ja vor einiger Zeit ihren geliebten Kater Auggie über die Regenbogenbrücke gehen lassen müssen. Nun hat sich unverhofft neuer Nachwuchs eingestellt. Eigentlich hatte sie gar nicht vor, so schnell eine neue Katze in ihr Leben zu lassen, aber Mochi – so der Name des Neuzugangs – ist ein Notfall und brauchte dringend ein Zuhause.

Wer kann auch so einer niedlichen Miez widerstehen? Bei meiner Freundin wird sie ein schönes Leben haben, dessen bin ich mir ganz sicher.

 

Text: Susanne Sommerfeld

Fotos: Shangching

Kleiner Luchs

Hallo ihr Lieben,

ich war am Wochenende im Umland unterwegs. Plötzlich fühlte ich mich beobachtet und als ich genau hinsah, saß da ein Tier und sonnte sich. Auf den ersten Blick sah es wirklich aus wie ein kleiner Luchs. Es war aber „nur“ ein äußerst großer Kater.

 

 

Text und Fotos: Susanne Sommerfeld

 

 

Winterabend im gemütlichen Heim

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Liebe Leserinnen und Leser,

ich habe heute meine Nelly fotografiert, während sie einen Winterabend, eingekuschelt in ihre Lieblingsdecke, verschläft. Dabei fielen mir folgende Zeilen ein:

 

Schnurrend tratst du in mein Leben, das du zärtlich jetzt regierst.

Machtest mich zum Katzennarr, stahlst mein Herz ganz ungeniert.

Im Fenster nur der Mond sich spiegelt, doch das lässt dich einfach kalt.

Völlig unbewegt verharrst du kleines Wesen, als wärst du nicht von dieser Welt.

Da liegst du, eingehüllt in eine warme Decke, träumend von Abenteuern, während die Nacht ganz langsam verstreicht,

nur deine Barthaare zucken ganz leicht.

Du süße Nelly, jetzt komm ich zu dir, streichele sanft dein weiches Fell.

Dein treuer Blick, der auf mich fällt, macht mein Herz weit und hell.

 

Liebe Grüße und kommt weiterhin gut durch den Winter,

eure Uta

 

Text und Foto: Uta Wentzke

Katzenweihnacht – Eine weihnachtliche Kurzgeschichte (Teil 3/3)

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Mit einem Ruck fuhr der Schlitten an und Prinzesschen drückte sich fest auf das weiche Fell. Die Glöckchen der Rentiere bimmelten immer lauter, je schneller der Schlitten fuhr und mit einem Mal hoben alle neun Tiere ab.
„Wie im Film, es ist wie im Film“, murmelte Prinzesschen vor sich hin.
Als sich der Schlitten in die Luft erhob, spürte sie ein kribbelndes Gefühl im Bauch. Wenn das kein Abenteuer war! Sie würde dem Nachbarskater eines Tages davon erzählen. Seine Vogeljagd war nichts dagegen. Langsam entspannte sie sich und wagte sogar einen Blick nach unten.
„Gefällt dir das, kleine Katze?“, fragte der Weihnachtsmann und lächelte.
Prinzesschen nickte.
„Es ist einfach wunderbar. So ein Abenteuer hätte ich mir nie erträumt. Aber woher kennst du mich?“
„Mein entzückendes Prinzesschen. Ich kenne alle Menschen und ihre Wünsche, vor allem die der Kinder und der Tiere. Nun bist du an der Reihe, dass dir ein Traum erfüllt wird.“

Unter ihnen blitzten die ersten Lichter. Sie hatten die große Stadt erreicht. Prinzesschen kannte die Stadt, denn dort wohnte der Tierarzt.
„Halt dich fest, kleine Katze. Jetzt wird es ernst.“
Kaum hatte der Weihnachtsmann seine Worte ausgesprochen, neigte sich der Schlitten nach unten. Die Rentiere galoppierten in einem haarsträubenden Tempo dem Boden entgegen, zogen eine steile Kurve und landeten dann den Schlitten etwas unsanft auf der Straße. Prinzesschen hatte sich im Lammfell festgekrallt und entspannte sich erst, als der Schlitten zum Stehen kam.

Der Weihnachtsmann sprang trotz seines erheblichen Umfangs elegant vom Kutschbock und schnappte sich den ersten Sack von der Ladefläche.
„Worauf wartest du, Prinzesschen? Komm mit.“
„Rutschst du denn nicht durch den Schornstein?“
Der Weihnachtsmann grinste.
„Da hat das Fernsehen ja ganze Arbeit geleistet. Nein, ich bevorzuge schon immer Türen.“
Sie schlichen auf leisen Sohlen durch das stille Haus bis ins Wohnzimmer und legten die Geschenke unter den Weihnachtsbaum. Auf einmal knarzte im oberen Stock eine Diele und sie hörten ein leises Kichern. Prinzesschen zuckte zusammen, aber der Weihnachtsmann blieb gelassen. Er legte den Zeigefinger auf die Lippen und wies mit dem Kopf zur Terrassentür. Mit flinken Schritten verließen sie das Haus und tauchten im dunklen Garten unter.

„Hat dich schon mal ein Kind ertappt?“, fragte Prinzesschen, als sie wieder auf dem Schlitten saßen und zum nächsten Haus fuhren.
„Ja, das ist mir schon passiert. Zum Glück glaubte das Kind noch an mich und hat mich nur angestarrt.“
Gab es denn Kinder, die nicht an den Weihnachtsmann glauben?, fragte sich Prinzesschen.
„Ich kann deine Gedanken hören, kleine Katze. Glaube mir, es wird immer schwieriger, die Kinder davon zu überzeugen, dass es mich wirklich gibt.“

Die Nacht verging im wahrsten Sinne des Wortes wie im Flug. Sie hatten unzählige Geschenke verteilt. Prinzesschen stellte sich vor, wie die Kinderaugen am nächsten Tag leuchten würden.
Der Morgen graute bereits, als der Schlitten wieder vor Prinzesschens Haus landete. Wehmütig verabschiedete sie sich von den Rentieren. Wer wusste schon, ob sie sie je wiedersehen würde? Der Weihnachtsmann und seine Helfer machten sich nun wieder auf den Weg in den Norden, in ihre Heimat.
Prinzesschen drehte sich noch einmal um, als sie an der Haustür angekommen war. Rudolphs Nase blinkte rot, als der Weihnachtsmann das Signal zum Starten gab. Nach wenigen Sekunden war der Schlitten auch schon verschwunden.

Was für ein Abenteuer, dachte Prinzesschen und rollte sich in ihrem gemütlichen Bettchen zusammen. Sie träumte vom Weihnachtsmann, von fliegenden Rentieren und einer wilden Schlittenfahrt durch die Nacht. Am nächsten Tag wachte sie auf und hätte nicht sagen können, ob sie die Erlebnisse der letzten Nacht wirklich erlebt hatte oder ob alles nur ein Traum gewesen war. Ihr Blick fiel auf den Weihnachtsbaum, der prächtig geschmückt im Wohnzimmer stand. Darunter lagen vier Pakete, die gestern noch nicht dort gelegen hatten.

Prinzesschen setzte sich auf die Fensterbank und schaute zum Himmel. Wie immer im Winter wurde es schon wieder dunkel. Sie meinte, ein leises Glockengeläut zu vernehmen und dann sah sie es: ein rotes Blinken am Himmel. Kein Flugzeug, nein, es war Rudolph, der ihr einen freundlichen Gruß zu Weihnachten schickte.

 

Text: Susanne Sommerfeld

Foto: Uta Wentzke

Katzenweihnacht – Eine weihnachtliche Kurzgeschichte (Teil 2/3)

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„Ich bin übrigens Comet, eines der Rentiere von Santa Claus.“
„Comet, was für ein außergewöhnlicher Name. Wie viele Rentiere hat dieser Santa Claus denn?“
„Wir sind neun. Der Star ist natürlich Rudolph. Sicher hast du schon von ihm gehört.“
„Der mit der roten Nase? Franzi hat die Geschichte mal im Fernsehen geschaut.“
Comet seufzte.
„Ja, Rudolph kennt jeder. Nur wir werden gern mal vergessen.“
Das Rentier stapfte auf den Gartenzaun zu und schlüpfte durch das offene Türchen. Prinzesschen blieb stehen und schnupperte am Schnee. Der kitzelte in der Nase. Wieder eine neue Erfahrung. Schließlich hatte sie das Haus bis jetzt nur selten verlassen und wenn, dann nur im Auto der Mayers. Dann fuhren sie sie immer zum Tierarzt, eine unangenehme Sache. Ratlos schaute sie sich zum Haus um, dann wieder zum Gartentürchen. Sollte sie wirklich hinter dem seltsamen Rentier herlaufen? Was hatte Comet vor?
„Nun komm schon, Prinzesschen. Du wolltest ein Abenteuer und jetzt hast du die Chance. Du wirst doch nicht kneifen, oder?“

Sie und kneifen? Entschlossen schüttelte sie den Kopf und verließ den Garten ihrer Familie. Comet lief munter auf dem Bürgersteig vornweg und Prinzesschen hatte Müh und Not, mit ihren krummen Beinchen Schritt mit ihm zu halten. Doch sie würde sich nicht beschweren. Comet würde schon sehen, was in ihr steckte. Schließlich gehörte sie zur selben Familie wie Tiger und Löwen. Sie hüpfte durch den weichen Pulverschnee und genoss das kalte Gefühl an ihren Pfoten. Immer dichter fielen die Schneeflocken vom Himmel und ab und zu streckte Prinzesschen die Zunge heraus, um eine Flocke einzufangen.
„Du warst wirklich noch nie draußen, oder?“, fragte Comet nach einiger Zeit.
„Ich bin eine Hauskatze. Meine Familie hat Angst, dass ich unter die Räder komme. Schau dir doch bloß meine Beine an! Damit bin ich nicht gerade die Schnellste.“
Schweigend liefen die beiden weiter, bis sie die letzten Häuser und Laternen der Straße hinter sich gelassen hatten. Danach führte sie ein schmaler Pfad direkt in den dunklen Wald. Prinzesschen blieb stehen. Solch eine Schwärze hatte sie noch nie erlebt. Was alles hinter den vielen Bäumen lauern mochte?

Huh-Huhuhu-Huuuh!
Prinzesschen stemmte ihre Pfötchen in den Boden. Ihre Ohren zuckten in alle Richtungen.
„Was war das?“
„Nur ein Waldkauz. Vor dem brauchst du keine Angst zu haben. Der jagt Mäuse, so wie ihr Katzen auch.“
Ein Waldkauz, was das wohl sein mochte? Doch sie fragte nicht nach. Comet hielt sie schon für unwissend genug. Langsam lief sie weiter, schaute sich aber immer wieder um. Sie war erstaunt, wie gut sie im Dunkeln sehen konnte, aber auch ihre Ohren vernahmen selbst leiseste Geräusche. Überall raschelte und knackte es. Ihre Nerven waren bis auf Ärgste gespannt.
„Sag mal, Comet, wohin gehen wir denn?“
Er antwortete nicht, sondern wies mit einer nickenden Bewegung nach vorn. Ein rot blinkendes Licht war zwischen den Bäumen zu sehen. Dann hörte sie das leise Bimmeln von Glöckchen. Dieses Geräusch hatte sie schon einmal gehört, in dem Film über das Rentier Rudolph, den Franzi damals zu Weihnachten gesehen hatte.

Prinzesschen lief so schnell es ihre unförmigen Beinchen erlaubten. Comet eilte neben ihr her. An der Lichtung angekommen, stoppte sie. Sie traute ihren Augen kaum. Die Szene wirkte, als wäre sie einem Traum oder ihrer abenteuerlustigen Fantasie entsprungen. Comet stupste sie an und Prinzesschen schlich auf die acht Rentiere zu, die sich um einen großen Holzschlitten geschart hatten. Auf dem Schlitten saß ein in einen roten Mantel gekleideter Mann von unschätzbarem Alter mit einem weißen langen Bart und vor Freude blitzenden Augen. Er lachte laut und hielt sich dabei seinen dicken Bauch.
„Hey, Comet! Wen hast du denn da mitgebracht?“
Neugierige Blicke hefteten sich auf sie und der Mann – das musste wohl der Weihnachtsmann sein – stieg von seinem Schlitten. Er hockte sich vor sie hin und schaute sie freundlich an.
„Bist du etwa Prinzesschen, die kleine Katze, die von großen Abenteuern träumt?“
Prinzesschen war so verdutzt, dass sie kein Wort hervorbrachte. Der Mann erhob sich und lachte erneut herzhaft. Dann klatschte er in die Hände.
„Na, dann wollen wir mal. Auf geht‘s. Wir haben keine Zeit zu verlieren.“

Prinzesschen staunte, wie schnell sich die Rentiere vor dem Schlitten sortiert hatten, Rudolph selbstverständlich vorn an der Spitze. Das berühmte Rentier war leicht zu erkennen, denn seine Nase leuchtete in demselben Rot wie der Mantel des Weihnachtsmannes. Dieser spannte die Rentiere an und setzte sich auf den Kutschbock. Mit seiner rechten Hand klopfte er neben sich.
„Willst du hier Wurzeln schlagen, Prinzesschen? Spring auf den Schlitten. Du darfst neben mir sitzen.“
Mit einem Satz sprang sie hinauf und nahm auf dem weichen Lammfell Platz. Sie schaute sich um und sah, dass der Schlitten voller Säcke war. Das waren vermutlich die Geschenke für die Kinder.
„Los, meine Rentiere. Ihr wisst, was ihr zu tun habt. Lasst uns den Kindern das Weihnachtsfest versüßen.“

 

Text: Susanne Sommerfeld

Foto: Uta Wentzke