1Bild2Geschichten

Liebe Leserinnen und Leser,

ich schreibe unheimlich gern Geschichten zu Bildern. Das ist eine Art, wie ich meine kreative Ader am Leben halte, falls das große Romanprojekt mal eine Pause benötigt. Daher kam es mir gelegen, dass für die Aktion 1Bild2Geschichten Bonusgeschichten gesucht werden, die online auf der Webseite https://1bild2geschichten.de/geschichten/ veröffentlicht werden. Bisher habe ich mich mit 2 Geschichten beteiligt, die ihr hier und hier lesen könnt. Das Schreiben hat mir großen Spaß gemacht und ich denke, ich werde in den nächsten Tagen noch eine dritte Geschichte schreiben. Erst muss ich mir aber noch ein passendes Bild aussuchen.

Vielleicht habt ihr auch Lust, euch an der Aktion zu beteiligen. Zur Auswahl stehen 100 Bilder und eure Geschichte darf nicht länger als 700 Wörter sein. Jedes Genre ist möglich. Nach Einreichen der Geschichte über die Webseite wird diese von den Initiatoren Ella Stein und Tom U. Behrens gelesen und ihr erhaltet eine Mitteilung, wenn die Geschichte online gestellt wird.

Viel Spaß beim Lesen der Geschichten und beim Schreiben.

Liebe Grüße, Susanne

Text: Susanne Sommerfeld

Ist die Katze (wieder) gesund … – Neuigkeiten von Samira

Ein paar Wochen lang ging es mir nicht so gut. Dumm nur, dass ich es meinen beiden Dosenöffnern nicht begreiflich machen konnte. Der Bauch tat mir etwas weh und der Gang zum Katzenklo war gar nicht mehr angenehm. Meine Dosenöffner dachten vielleicht einfach nur, ich wäre jetzt eine ältere Dame und daher etwas ruhiger. Ich musste also zu härteren Maßnahmen greifen. Darum habe ich hier und da ein paar Tröpfchen gemacht und das verstanden sie dann endlich.

Ich konnte ja noch nicht ahnen, dass mir eine ganz neue Erfahrung zuteil werden würde. Ehe ich es mich versah, steckte mich mein Frauchen in eine Plastekiste mit Gitter und ich wurde aus dem Haus getragen. Das war aufregend! Vor Schreck vergaß ich, ihr mitzuteilen, dass ich gern eine Erklärung hätte. Ich setzte mich in die hinterste Ecke der Kiste und blinzelte nur vorsichtig in die unbekannte Welt hinaus.

Wir betraten ein anderes Haus. Mein Frauchen setzte die Kiste auf einen Stuhl, so dass ich meine Umgebung gut beobachten konnte. Andere Vierbeiner saßen bereits in dem Raum mit ihren Dosenöffnern und es roch nach Aufregung und Angst. Dann war ich an der Reihe. Ein netter Mann in weißen Hosen hob mich aus der Transportbox und tastete mich ab. Dann rasierte er meinen Bauch, pappte eine kalte und glibbrige Masse darauf und glitt mit so einem Plastedings über mein nacktes Bäuchlein. Das fühlte sich merkwürdig an, aber wenigstens tat es nicht weh. Zum Glück dauerte die Prozedur nicht lange und ich durfte wieder in meine Transportbox, in die ich nun freiwillig stieg. Da ich alles brav über mich ergehen ließ, lobte mich mein Frauchen über alle Maßen. Das ließ ich mir natürlich gern gefallen. Endlich stahl mir meine Schwester Nelly mal nicht die Show.

Der nette Mann mit der weißen Hose erklärte nun meinem Frauchen, was mich krank gemacht hatte. Ein großer Blasenstein war der Übeltäter. Daher die Schmerzen auf dem Katzenklo. Aber erst einmal durfte ich wieder nach Hause. Meine Schwester fauchte mich gleich zur Begrüßung an und wollte mich nicht in ihrer Nähe haben. Scheinbar roch ich anders als sonst. Tagelang versuchten die Dosenöffner dann, mich dazu zu bewegen, die Medikamente freiwillig zu nehmen. Aber nicht mit mir! Am Ende haben sie mich dann aber doch ausgetrickst. Danach ging es mir schon etwas besser.

Ein paar Tage später gab es für mich kein Abendbrot. Darüber war ich überhaupt nicht erfreut. Wollten mich die Dosenöffner noch mehr ärgern? Ich schmuste und stupste, ich miaute in den höchsten Tönen, aber es half alles nichts – ich musste hungern. Am nächsten Morgen dasselbe Spiel, wieder nicht ein Krümel von meinem leckeren Futter. Im Gegenteil, Herrchen packte mich schon wieder in die Transportbox und erneut saß ich in diesem Gebäude von dem Mann mit der weißen Hose. Was sollte ich denn nun schon wieder hier?

Ehe ich es mich versah, landete ich im Land der Träume. Als ich wieder aufwachte, war mir ganz merkwürdig. Ich konnte kaum laufen, mein Kopf war schwer und ich hatte so einen komischen Verband am Bauch. Zu allem Überfluss wurde ich in einen türkisfarbenen Anzug gesteckt, um nicht an meiner Wunde lecken zu können. Das Ding stand mir irgendwie gar nicht, ich sah aus wie eine Katze vom Mars. Und was sollte das überhaupt alles? Der Mann mit der weißen Hose erklärte mir dann, dass er mir den bösen Stein aus dem Bauch geholt hätte, damit ich keine Schmerzen mehr habe. Alles klar, dachte ich mir, und bin erst mal wieder eingeschlafen. Der musste mir eine ganz schöne Dröhnung verpasst haben.

Ein paar Stunden später holte mich Herrchen dann ab und ich kam wieder in mein geliebtes Zuhause. Meine Schwester Nelly sah mich, machte große Augen und suchte das Weite. Das fand ich gar nicht nett von ihr, mich so unfreundlich zu begrüßen. Immerhin sind wir sonst ein Herz und eine Seele. Ich war aber immer noch so müde, dass ich mich darüber gar nicht lange aufregen konnte, sondern den ganzen Abend und die Nacht verschlief.

Am nächsten Morgen fühlte ich mich blendend, hatte keine Schmerzen mehr und einen Mordshunger. Nur erkannte mich meine Schwester scheinbar immer noch nicht, lag wahrscheinlich an dem neuen Fummel, den ich trug. Immer wenn sie mich sah, machte sie sich aus dem Staub und ließ sich nicht mehr blicken. Das war komisch. Ich wollte spielen, denn es ging mir ja wieder gut. Also rannte ich hinter ihr her, aber sie fauchte nur und verzog sich. Roch ich vielleicht komisch? Oder war sie gar neidisch auf mein neues Kleidungsstück? Ich war jedoch einfach nur froh, dass mich keine Schmerzen mehr plagten. Meine Freude darüber zeigte ich meinen Dosenöffnern deutlich. Ich schnurrte so laut wie sonst nie, so dass sie sogar den Fernseher lauter drehen mussten, und animierte sie ständig zum Kuscheln. Meine Schwester gesellte sich leider nicht zu uns. Sie wollte nicht mal in der Badewanne am Wasserhahn mit mir spielen, unsere Lieblingsbeschäftigung. Da konnten auch die Dosenöffner nichts ausrichten.

Ich bekam nun jeden Tag Medizin ins Mäulchen geträufelt, die nicht mal übel schmeckte. Dafür wurde ich auch noch über alle Maßen gelobt. Der Gang aufs Katzenklo war auch kein Problem mehr.

Nach acht Tagen war es endlich soweit. Frauchen zog mir meinen Anzug aus und ich sah wieder aus wie eine normale Katze. Ich genoss die neue Freiheit, drehte mich um die eigene Achse, hüpfte umher und fühlte mich rundum wohl. Und großen Appetit hatte ich auch.

Das Ding bin ich nun los

Meine Schwester betrachtete mich zwar immer noch mit einem scheelen Blick, erkannte mich dann aber doch wieder. Nach ein paar vorsichtigen Annäherungsversuchen tobten wir dann auch wieder zusammen. Meine Dosenöffner waren hellauf begeistert über die gelungene Familienzusammenführung.

Mein Frauchen wollte dann aber auch mal die neue Narbe bestaunen und forderte mich auf, ihr meinen Bauch zu zeigen. Ihr hättet ihr Gesicht sehen sollen, als ich mich wie ein Nackenhörnchen auf den Rücken geworfen und ihr mein nacktes Bäuchlein präsentiert habe. Das wurde natürlich sofort fotografisch festgehalten. Ich bin halt sehr fotogen und genieße diese Aufmerksamkeit.

Schaut euch mal die feine Narbe an

Mir geht es großartig und ich bin total glücklich, wieder schmerzfrei herumtoben zu können. Der Blasenstein ist Geschichte und ich bekomme jetzt Medikamente und anderes Futter, damit so ein böser Stein nie wiederkommt.

Dicke Tatzengrüße von eurer Samira

Text und Fotos: Uta Wentzke

Frühlingsspaziergang

Liebe Leserinnen und Leser,

es war ziemlich frisch heute, aber die Sonne strahlte und so habe ich nach langer Pause mal wieder meine Canon-DSLR und mein 70-300er-Objektiv aus dem Schrank befreit und im Park ein paar Fotos geschossen.

Hier ein Teil meiner (unbearbeiteten) Ausbeute:

Ich muss erst mal wieder langsam ans Fotografieren mit dieser Kamera-Objektiv-Kombination gewöhnen, aber es hat großen Spaß gemacht. Um noch etwas näher an die scheuen Tiere heranzukommen, habe ich mir einen 1,4 x Telekonverter bestellt und bin schon gespannt auf die Ergebnisse.

Ich hoffe, ihr hattet auch einen schönen sonnigen Samstag.

Liebe Grüße, Susanne

Fotos: Susanne Sommerfeld

Prinzesschen und Anton

Ein herzzerreißendes Maunzen riss Prinzesschen aus ihren Träumen. Anton saß im Garten und bot einen kläglichen Anblick. Sein Fell war vollständig von einer Schmutzschicht undefinierbarer Herkunft überzogen und er zitterte. Prinzesschen sprang von der Fensterbank und sauste durch die Katzenklappe nach draußen.
»Was ist denn mit dir passiert?«
Sie rümpfte die Nase. Er verströmte einen Geruch, als wäre er aus einer Mülltonne gestiegen.
»Frag nicht«, brummte Anton. »Meine Familie…«
»Deine Familie hat dir das angetan?«
Prinzesschen sträubte entrüstet das Fell und warf ihren bitterbösesten Blick hinüber zum Nachbarhaus.
»Nun lass mich doch mal ausreden.«
Anton schüttelte sich und Prinzesschen machte einen Satz nach hinten, um nichts von dem Dreck abzubekommen.
»Hey, pass doch auf. Mein schönes Fell.«
Sein beleidigter Blick traf sie ins Herz.
»Entschuldigung«, murmelte sie.
»Meine Familie ist in den Urlaub gefahren.«
»Wie kann man denn zu Weihnachten wegfahren?«
»Sie haben keine Lust auf Weihnachtsbaum und Weihnachtsgans, sagen sie. Und auf die stressige Familienfeier auch nicht.«
»Kann ich nachvollziehen«, sagte Prinzesschen und erinnerte sich an das letzte Weihnachtsfest. Der verrückte Dalmatiner hatte beinahe das ganze Fest ruiniert. Der arme Baum musste gleich am ersten Tag dran glauben.
»Vor ein paar Tagen haben sie mich deswegen in der Tierpension abgeliefert.«
Tierpension, das Unwort schlechthin für alle Hunde und Katzen, die jedes Jahr dort für ein paar Wochen untergebracht wurden, damit ihre Dosenöffner sich an den Strand legen konnten. Und das alles nur, um danach mit hochroten Köpfen und verbrannten Rücken wieder heimzukehren.
»Zumindest dachte ich, es wäre eine Tierpension…«
»Was meinst du damit?«
Anton schüttelte sich erneut. Braune Schmutztropfen trafen Prinzesschen im Gesicht. Sie fauchte, aber ein Blick in seine traurigen Augen ließ sie verstummen.
»Es war keine Tierpension, es war das Tierheim. TIERHEIM, verstehst du?«
Prinzesschen sprang auf und machte einen Buckel. Im Tierheim zu landen, war das Schlimmste, was einer Katze widerfahren konnte. Das wusste sie von den Mayers. Die schauten jeden Sonntag eine Fernsehsendung, in der Tiere neue Dosenöffner suchten. Frau Mayer saß dann immer mit Tränen in den Augen vor der Flimmerkiste. »Die armen Tiere. Wie können die Menschen nur zulassen, dass sie ins Tierheim kommen?«

Frau Mayer hatte Anton mit einem nach Lavendel duftenden Shampoo gewaschen, was er ihr sichtlich verübelte. Eine Schüssel mit Thunfisch und eine Extrastreicheleinheit später war er wieder versöhnt und schnurrte wohlig vor sich hin. Prinzesschen fühlte eine Welle der Eifersucht aufsteigen, schämte sich aber sofort dafür. Was hatte ihr Freund alles erleben müssen in den letzten Tagen. Er hatte diese Pause wahrlich verdient.

»Hast du mit den Brinkmanns gesprochen«, fragte Herr Mayer.
Prinzesschen spitzte die Ohren. Auch Anton öffnete langsam seine Augen und vergaß vor Schreck, weiter zu schnurren.
»Du wirst es nicht glauben, die sind doch tatsächlich ausgezogen. Ich kann mir das überhaupt nicht erklären. Die müssen vollkommen überstürzt verschwunden sein. Das Haus ist komplett leergeräumt.«
Herr Mayer schüttelte den Kopf und betrachtete Anton mit einem zutiefst betrübten Blick.
»Wo eine Katze satt wird, bekommen wir auch den Kater satt«, sagte er seufzend und kraulte Antons dicken Bauch.

Anton saß vor dem Weihnachtsbaum und spielte mit einer glitzernden Kugel.
»Das würde ich lassen, wenn du hier wohnen bleiben willst. Frau Mayer ist in solchen Dingen sehr empfindlich.«
»Nun sei doch kein Spielverderber, Prinzesschen.«
Anton konnte die Kugel einfach nicht aus den Augen lassen. Sein roter Pelz, der nun wieder glänzte, spiegelte sich darin. Was für ein prachtvoller Kater er doch war. Seine Familie würde es bereuen, ihn zurückgelassen zu haben.
»Sind die beiden nicht zauberhaft?«, jubelte Frau Mayer.
Prinzesschen runzelte die Stirn. Die Eifersucht pikste sie mit ihrem unbarmherzigen Stachel, als Frau Mayer Antons Kopf streichelte. Der Kater zeigte sich von seiner besten Seite und schnurrte wie ein gut laufender Motor. Schon schämte sich Prinzesschen für ihre Gedanken. Warum sollte sie ihr wunderbares Heim nicht mit ihrem Freund teilen? Es war genügend Liebe und Futter für sie beide da.

Heiligabend war gekommen. Der Duft nach Gänsebraten und Bratäpfeln schwebte durchs Haus. Anton leckte sich das Maul.
»Oh Mann, riecht das gut bei euch.«
»Denk bloß nicht, dass wir etwas davon abbekommen. Für uns gibt es nach wie vor nur Katzenfutter. Die Menschen teilen ihr Futter nicht gern mit uns.«
Anton strich schnurrend um Frau Mayers Beine. Prinzesschen rollte mit den Augen. Ihr Freund war so verfressen, dass er vor nichts zurückschreckte. Aber halt, was war das? Frau Mayer zupfte ein Stück Gänsefleisch von der Keule und hielt es Anton vor die Nase. Der schnappte sich das Fleisch und zwinkerte Prinzesschen zu. War das zu fassen? Jahrelang hatte sie versucht, an derartige Leckereien zu kommen und war gescheitert. Von Anton konnte sie noch etwas lernen.

Es klingelte an der Tür. Vor Schreck sprang Anton unter den Weihnachtsbaum. Die Kugeln klirrten, der Baum schwankte bedrohlich, Frau Mayer quiekte und Herr Mayer sprang herbei, um den Baum zu retten.
»Dabei ist der Hund noch nicht mal drin«, brummte er.

»Ich verstehe gar nicht, was er hat«, sagte Franzi.
Prinzesschen beobachtete von ihrem sicheren Fensterplatz aus, wie der Dalmatiner vergeblich versuchte, Anton unter dem Baum hervorzulocken. Dieser fauchte und buckelte, doch der Hund ließ sich davon nicht beeindrucken. Er schien das Ganze für ein Spiel zu halten.
»Das mir ja der Baum nicht wieder umgeworfen wird«, jammerte Frau Mayer und raufte sich ihre frisch gelegte Dauerwelle.
»Ach, Mama, Bodo will doch nur spielen.«

Prinzesschen setzte sich neben den Hund und legte die Ohren an. So ein Theater mit diesem Wirbelwind. Er war gewachsen, hatte aber scheinbar nichts dazugelernt.
»Hey, du Rüpel, so machst du dir keinen Katzenfreund.«
Verdutzt setzte Bodo sich auf sein Hinterteil und starrte Prinzesschen an.
»Hast du denn noch immer nicht gelernt zu sprechen?«
»Wuff.«
Prinzesschen seufzte. Es war sinnlos, diesem Tier etwas beibringen zu wollen. Selbst Franzi war daran gescheitert, wie sie feststellen musste. Hunde waren nicht halb so clever wie Katzen.
»Wuff.«
Prinzesschen versetzte ihm einen kurzen, aber kräftigen Hieb auf die Nase und fauchte. Winselnd legte er sich auf den Boden.
»So, und jetzt lässt du Anton in Ruhe. Hast du mich verstanden?«
Bodo machte einen Satz zur Seite und geriet mit der Rute in die Lichterkette. Erschrocken rannte er los und riss den Weihnachtsbaum mit sich.
»Bei euch ist wirklich immer was los«, sagte Anton und kicherte.
»Jingle Bells, Jingle Bells…«, tönte es durchs Haus, während die Mayers verzweifelt hinter Bodo her jagten.
Prinzesschen sprang aufs Sofa und rollte sich in ihrem Bettchen zusammen. Binnen weniger Sekunden war sie eingeschlafen. Sie träumte von einer riesigen Gänsekeule.

Uta und ich wünschen euch ein schönes Weihnachtsfest und kommt gesund ins neue Jahr.

Text: Susanne Sommerfeld